Russland: Putin würdigt evangelische Kirchen zum Reformationsjubiläum

Der russische Präsident Vladimir Putin hat die Protestanten als einen „wichtigen Teil der russischen Gesellschaft“ gewürdigt. In einer von Sergej Kirijenko, dem stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung, überbrachten Botschaft zur Feier des Reformationsjubiläums lobte Putin die evangelischen Christen für Eigenschaften wie „Fleiß, Patriotismus und moralisches Verhalten“. Zudem betonte der russische Präsident die wichtige Rolle, die protestantische Gemeinschaften im sozialen Bereich spielten. All diese Eigenschaften seien „heute in unserem Land äußerst gefragt und wichtig für das Erreichen von Erfolgen in einer sich schnell verändernden Welt“, so Putin weiter. Heute setze sich der Staat dafür ein, die „historische Gerechtigkeit“ gegenüber den evangelischen Gemeinschaften wiederherzustellen.

An der Feier zum Reformationsjubiläum im Paschkov-Haus in Moskau nahmen am 31. Oktober rund 200 Vertreter von verschiedenen Religionsgemeinschaften, staatlichen Behörden, Politiker und Diplomaten teil. Die Russische Orthodoxe Kirche wurde von Metropolit Ilarion (Alfejev), dem Leiter des Kirchlichen Außenamts des Moskauer Patriarchats, vertreten. Er verwies in seiner Ansprache zunächst auf die Zerstörungskraft jeder Spaltung, hob aber auch den Beitrag hervor, den die protestantische Tradition an die Weltkultur und das Christentum geleistet habe. Heute hielten sich Orthodoxe und Katholiken oft für die Träger der kirchlichen Tradition, die Protestanten hingegen für Liberale, doch der Ursprungsgedanke der Reformation sei eine Rückkehr zur ursprünglichen christlichen Tradition gewesen. Obwohl sich einige evangelische Kirchen im Westen für eine Liberalisierung der theologischen und moralischen Lehre einsetzten, stehe die absolute Mehrheit der russischen Protestanten für traditionelle moralische Werte ein.

Im Zeichen des Reformationsgedenkens stand auch der gemeinsame Gottesdienst verschiedener evangelischer Kirchen in Moskau, der das fünfte Jahr in Folge stattfand. Mehr als 1300 Gläubige versammelten sich am 29. Oktober in der St. Peter und Paul Kathedrale, die erst kurz zuvor vom russischen Staat an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland zurückgegeben worden war.

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