Russland: Mahnmal für Opfer politischer Repressionen eingeweiht

Die schrecklichen Repressionen des 20. Jahrhunderts dürften niemals vergessen werden, hat der russische Patriarch Kirill an der Eröffnung der „Mauer der Trauer“ in Moskau betont. Das Denkmal erinnert an die Opfer von politischen Repressionen in der Sowjetunion. Denkmäler „sind für die Heilung von Menschen notwendig“, erklärte Kirill in seiner Eröffnungsrede weiter. Es sei wichtig, die richtigen Schlüsse aus den letzten 100 Jahren zu ziehen und niemals die Fehler der Vorfahren zu wiederholen. Hass dürfe die Menschen nicht in ihrer Suche nach einem „friedlichen, gerechten und blühenden Leben“ leiten. Das Kirchenoberhaupt erinnerte auch daran, dass die „Repressionsmaschinerie keinen Unterschied machte“, sie habe Vertreter aller russischen Religionen getroffen.

Der russische Präsident Vladimir Putin erklärte bei der Eröffnung des Denkmals am 31. Oktober, es könne keine Rechtfertigung für diese Verbrechen geben, auch nicht durch irgendein höheres gesellschaftliches Wohl. Die Repressionen hätten „weder Talent noch Verdienste an der Heimat noch die ehrliche Ergebenheit zu ihr verschont“, ganze soziale und ethnische Gruppen seien von ihnen betroffen gewesen. Die Erinnerung sowie die klare und eindeutige Haltung zu diesen „finsteren Ereignissen“ dienten als „mächtige Warnung vor ihrer Wiederholung“, so Putin weiter. Er warnte davor, eine Abrechnung zu verlangen und die Gesellschaft erneut in eine gefährliche Konfrontation zu treiben, stattdessen sollten alle auf die „Werte von Vertrauen und Stabilität“ vertrauen. Putin nannte in seiner Eröffnungsrede weder Salin, verantwortlich für die massiven „Säuberungen“ der Jahre 1937/38, noch andere Schuldige der politischen Repressionen beim Namen.

Zuletzt sprach an der Eröffnung der Historiker Vladimir Lukin, Vorsitzender des Fonds zur Erinnerung an die Opfer politischer Repressionen, dessen Familie selbst Opfer stalinistischer Verfolgungen war. Über die größte Tragödie des 20. Jahrhunderts wüsste die junge Generation nur wenig, bemängelte er. Zudem widersprach er der Auffassung, es sei „unpatriotisch“, die blutige Vergangenheit wieder hervorzuholen. Der wichtigste, aber auch schwierigste Schritt sei es, den Tätern zu verzeihen und sich von der Illusion ausschließlichen Rechts und der eigenen Unfehlbarkeit zu verabschieden.

Die „Mauer der Trauer“ des Bildhauers Georgij Franguljan erinnert in Form einer Bronzewand aus überlebensgroßen, gesichtslosen Figuren an die Opfer politischer Repressionen. Die Errichtung haben auch die russische Menschenrechtsorganisation Memorial und die Solschenizyn-Stiftung unterstützt. Neben Politikern, Menschenrechtlern, Historikern, Kulturschaffenden und Geistlichen nahmen an der Eröffnungszeremonie auch Opfer und ihre Nachkommen – eine kleine Gruppe älterer Menschen – teil. (mit Material von Kathpress)

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