Russland: nterreligiöse Trauer über "Märtyrerinnen von Kisljar"

Der russische Interreligiöse Rat hat seine tiefe Betroffenheit über das Attentat auf Kirchgängerinnen in der nordkaukasischen Stadt Kisljar zum Ausdruck gebracht. "Wir rufen die ganze Gesellschaft zu Frieden, Eintracht und Solidarität auf. Die gemeinsame Trauer soll uns stärker machen", hielten die Repräsentanten der großen Religionsgemeinschaften in der Russischen Föderation (Christen, Juden, Muslime, Buddhisten) laut dem "Pro Oriente"-Pressedienst vom 22. Februar fest und prangerten die menschenfeindliche Ideologie des Extremismus an.

Ziel des jugendlichen Terroristen und seiner Hintermänner sei es offensichtlich gewesen, interreligiösen Hass anzufachen und die jahrhundertealte Tradition friedlicher Koexistenz zwischen Christen und Muslimen in Russland zu zerstören, so die Religionsvertreter. Nach der Bluttat müsse der Gefahr der Verbreitung von Extremismus und Intoleranz - vor allem unter der Jugend - besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Kindern und Jugendlichen müsse der Unterschied zwischen den "echten religiösen Traditionen" und "importierten pseudoreligiösen Lehren extremistischer Sekten" deutlich gemacht werden.

Ein 22-Jähriger hatte in Kisljar am vergangenen Sonntag fünf Frauen getötet, die nach einem Gottesdienst gerade die orthodoxe Georgskirche verließen. Polizisten erschossen den Attentäter. Zeitungen zitierten einen Priester, der gehört haben will, wie der Angreifer "Allahu Akbar" rief.

Das Begräbnis der fünf Opfer erfolgte bereits am 20. Februar auf dem Kirchengrund der Georgskirche. Erzbischof Varlaam (Ponomarjov) von Machatschkala hatte eine entsprechende Anordnung getroffen, weil die Frauen auf Kirchengrund als Märtyrerinnen gestorben seien. Am Begräbnistag kamen laut Medienberichten rund 5000 Menschen unterschiedlicher Ethnien aus dem ganzen Nordkaukasus nach Kisljar, um der Opfer zu gedenken.

"Die Leute sind noch immer schockiert und kaum imstande, ihre Trauer und ihre Sorge in Worte zu fassen", sagte der Rektor der Georgskirche, Pavel Kalikin. Am Ort des Geschehens befänden sich immer noch die Taschen von Irina Melkomova, die als "Heldin von Kisljar" verehrt wird. Die Frau hatte die Situation erfasst, als sie die Kirche verließ und versucht, dem Attentäter seine Waffe zu entreißen. Währenddessen hatten andere Gottesdienstbesucher Gelegenheit, Zuflucht in der Georgskirche zu suchen, deren Tore dann sofort geschlossen wurden. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

Drucken