Polen: Zehntausende Katholiken beten an Polens Grenzen

Zehntausende Katholiken haben an den Außengrenzen des Landes Menschenketten gebildet und für die „Rettung Polens und der Welt“ gebetet. Laut Angaben der Stiftung „Solo Dios basta“ („Gott allein genügt“), die zu der Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ am Festtag „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ am 7. Oktober aufgerufen hatte, sind mindestens 150‘000 Polen der Einladung gefolgt. Gebetet wurde in ca. 4000 „Gebetszonen“ an der polnischen Grenze und an mehreren Flughäfen Polens. Zudem beteiligten sich auch Katholiken in anderen Städten der Welt sowie die polnischen Soldaten in Afghanistan. Kritiker monierten, die Aktion sei vor allem gegen Flüchtlinge und Muslime gerichtet.

Die Organisatoren bezeichneten den Rosenkranz als „mächtige Waffe im Kampf gegen das Böse“, der den Lauf der Geschichte verändern könne. Kritik erregte der deutliche Hinweis im Aufruf, dass das „Rosenkranzfest“ von Papst Pius V. zum Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571 gegen das Osmanische Reich gestiftet wurde. Kritiker warfen den Organisatoren vor, dass es sich um eine islamophobe Aktion handle. Die Organisatoren wiesen dies zurück: Man bete für den Frieden in Europa und auf der Welt, um die Mauern des Hasses und der Feindschaft niederzureißen. „Radio Maryja“ berichtete live über das Ereignis. Hervorgehoben wurde die Predigt von Erzbischof Marek Jędraszewski mit den Worten: „Wir werden nicht bestehen und keine beständigen Fundamente der Volks- und Staatsordnung aufbauen, wenn sie nicht auf christlichen Werten aufgebaut werden.“

Auch die Polnische Bischofskonferenz hatte zum Rosenkranzgebet an den Grenzen aufgerufen und es als „größtes Gebetsereignis seit dem Weltjugendtag 2016“ gewürdigt. Das Ereignis stehe in Zusammenhang mit den 140- und 100-Jahrfeiern der Marienerscheinungen im polnischen Gietrzwałd (1877) und im spanischen Fátima (1917), bei denen Maria zum Rosenkranzgebet aufgerufen habe. Auf die Frage, ob sich das Gebet gegen die Islamisierung Europas richte, antwortete Erzbischof Stanisław Gądecki, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz, man solle keine derartigen Vorwürfe konstruieren: „Sicher tauchen bei einer solchen Gelegenheit diverse sonderbare Ansichten auf, darunter auch solche, die diese Initiative lächerlich machen wollen. Wir sind als Christen durch das Evangelium aufgerufen, dem anderen Menschen nichts als gegenseitige Liebe schuldig zu sein. So auch dem Islam, dem Judentum und allen anderen Religionen.“