Polen: Eklat am Ende des Jubiläumsjahres zur Reformation

Die Konsistorien der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche haben sich in einem offenen Brief gemeinsam an den Sejm gewandt und gebeten, die eingebrachten Anträge zum Gedenken an das Reformationsjubiläum zurückzuziehen: „Wir wollen nicht, dass über das Erbe der Reformation im Sejm der Republik Polen auf solche Weise diskutiert wird!“ Hintergrund war eine abgelehnte Resolution zum Beitrag polnischer Protestanten zur Geschichte des Landes. Eine ähnliche Resolution hatte die zweite Kammer des polnischen Parlaments, der Senat, im Februar 2017 unter heftigen Diskussionen und mit einer sehr knappen Mehrheit verabschiedet, nachdem die Würdigung der Reformation selbst gestrichen worden war.

Den Beschlussentwurf zum Gedenken an 500 Jahre Reformation für den Sejm hatten Ende Oktober 2017 Vertreter der Parteien Nowoczesna (Die Moderne) und Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL, Polnische Volkspartei) eingebracht. Unter anderem hieß es darin, dass „der Sejm der Republik Polen im Jubiläumsjahr von 500 Jahren Reformation eine Bewegung würdigen will, die entscheidenden Einfluss auf das religiöse und kulturelle Antlitz Europas hatte, dessen integraler Bestandteil die Rzeczypospolita war und ist“. Es wurde auch daran erinnert, dass die polnische Adelsrepublik zu „den tolerantesten Staaten in Europa gehörte und Bürger verschiedener Nationalitäten, Religionen und Kulturen vereinte.“ Das Jubiläumsjahr sei „eine hervorragende Gelegenheit, polnischen Protestanten Wertschätzung und Anerkennung entgegenzubringen für ihren Beitrag zur Entwicklung unseres Staates und besonders seiner Kultur, Sprache und Tradition.“

Eine Abgeordnete der Republikanischen Partei hat die Annahme des Beschlussentwurfs jedoch per Akklamation im Sejm verhindert. Als Katholikin sei sie der Meinung, dass ein fröhliches Feiern von Ereignissen, die die Kirche gespalten haben, keine gute Idee sei. Die Beschlussvorlage wurde mit einer Mehrheit von 232 zu 193 Stimmen abgelehnt und in die Kultur- und Medienkommission des Sejm überwiesen. Dieselbe Kommission hatte sich jedoch schon im Frühjahr geweigert, einen Vorschlag zu beraten, wonach das Jahr 2017 zum „Jahr der Reformation“ erklärt werden sollte.

Ausdrücklich dankten die Bischöfe der drei Kirchen in dem offenen Brief jedoch dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda, dem Senat, den Vertretern der römisch-katholischen Kirche und anderer christlicher Kirchen sowie Vertretern von Wojewodschaften und Selbstverwaltungen, die auf vielfältige Weise ihre Wertschätzung gegenüber dem Reformationsjubiläum zum Ausdruck gebracht hätten. (Quelle: http://www.gustav-adolf-werk.de, 20. Dezember 2017)