Tschechien: Nationalwallfahrt mit politischen Akzenten

Einen starken politischen Akzent hatte die diesjährige tschechische Nationalwallfahrt nach Stará Boleslav (28. September), der der Prager Kardinal Dominik Duka vorstand. Die Wallfahrt stand unter dem Vorzeichen der Wahlen zur Abgeordnetenkammer des Parlaments am 20./21. Oktober. Im Januar 2018 steht zudem auch die Neuwahl des tschechischen Staatsoberhaupts an. Der amtierende Präsident Miloš Zeman, der abermals kandidiert, hatte als Chef einer Minderheitsregierung den Tag der Ermordung des Fürsten Wenzel (Vaclav) als "Tag der tschechischen Staatlichkeit" im Jahr 2000 in den Rang eines Staatsfeiertags erhoben. So wie Präsident Zeman ein Gegner unbeschränkter Zuwanderung und von Flüchtlingsquoten, betonte Kardinal Duka bei der Wallfahrt die "Aufgabe des Staates, die Sicherheit der Bürger sicherzustellen und einen wirtschaftlichen Bankrott abzuwehren".

Mit Nachdruck rief Duka, der im kommenden April 75 Jahre alt wird und beim Papst sein Rücktrittsgesuch einbringen muss, die Bürger zur Übernahme von Verantwortung und zur Teilnahme an den Wahlen auf. Er sehe "Hoffnung darin, dass die Wahlen helfen, die schweigende Mehrheit durchzusetzen". Nur so erfülle man das "Bemühen um eine demokratische Gesellschaft in einer Demokratie ohne Zusätze" und nur so werde "die Mehrheit nicht von den Launen verschiedener Minderheiten manipuliert und beherrscht".

In Stará Boleslav werden der Landespatron Wenzel von Böhmen und das "Schutzbild ('Palladium') der Böhmischen Länder" verehrt. Dabei handelt es sich um eine ostkirchliche Marienikone, die auf Wenzels Großmutter Ludmila zurückgeht. Zur jeweiligen Nationalwallfahrt wird die Schädelreliquie des heiligen Wenzel von der Prager Burgwache mit Blaulicht und Motorradeskorte aus dem Prager Veitsdom in die Wenzelsbasilika von Stará Boleslav gebracht. An der Schwelle der jetzigen Basilika war der böhmische Landespatron im Jahre 935 vermutlich von seinem Bruder Boleslav ermordet worden. Der 28. September ist seit dem Jahr 2000 als "Tag der tschechischen Staatlichkeit" auch ein staatlicher Feiertag.

Das Schicksal und die Tradition Wenzels betreffe "nicht nur die Kirche, sondern die ganze Gesellschaft", so Kardinal Duka bei der diesjährigen Wallfahrt. Die Übertragung der Reliquien Wenzels in den Prager Dom sei "seinerzeit nicht nur eine Heiligsprechung, sondern auch ein staatsbildender Akt gewesen".

Im sogenannten "Wenzelschoral", der auch bei der Inauguration des Präsidenten der Republik erklingt, sei nur "vom Volk und nicht von den Katholiken die Rede" und auch die Christen und Katholiken seien ein "Bestandteil des Volkes und der Gesellschaft", so der böhmische Primas. Sie hätten "die Pflicht, nicht nur sich zu Wort zu melden, kritisch zu werten, sondern auch sich am Leben des Landes zu beteiligen". Es sei zu fragen, "warum uns das jemand verweigern und uns ausschließen" wolle. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)