Slowakei: Bischöfe für "großzügige Aufnahme von Flüchtlingen"

Die Slowakische Bischofskonferenz (Konferencia Biskupov Slovenska/KBS) hat zu einer "großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen" aufgerufen. Auch die Slowakei solle sich engagieren und dabei das Augenmerk vor allem auf "Christen, Frauen und Kinder, die sich auf dem Gebiet der Europäischen Union aufhalten, das Asylverfahren absolviert haben und derzeit in Anhaltelagern im Süden Europas ausharren", legen. Die Bischöfe äußerten sich bei ihrer Sommer-Vollversammlung in Marianka am 20. und 21. Juni 2017.

Die Beratungen hatten einen stark europapolitischen Fokus, auch wegen der Begegnung mit Ministerpräsident Robert Fico. Alle katholischen Bischöfe des Landes sowie der emeritierte Papstbotschafter, Erzbischof Mario Giordana, waren anwesend. Außer dem Thema "Zukunft der Slowakei in der Europäischen Union" ging es um Fragen der Familie, des Schulwesens sowie die Finanzierung der Kirchen durch den Staat.

KBS-Vorsitzender Erzbischof Stanislav Zvolenský (Bratislava) warnte vor einem Kerneuropa ohne Osten und erinnerte an Papst Johannes Paul II. Dieser habe betont, "ein Europa ohne den geistlichen Raum Mittel- und Osteuropas wäre unvollständig". Hochzuhalten sei vielmehr die von der EU propagierte "Einheit in der Verschiedenheit, die das Prinzip der Subsidiarität betont". Europa präsentiere sich heute als "Kontinent ohne Hoffnung", was an der "umfassenden demografischen Krise, der voranschreitenden Säkularisierung und mancherorts der Verdrängung der Religion aus dem öffentlichen Raum" abzulesen sei, so Zvolenský weiter. Die sich vertiefende Integration in der Europäischen Union dürfe "nicht dazu führen, dass wir in Grundfragen in Widerstreit zu den in unserem Raum lebenden Völkern geraten".

Innerslowakisch bemühe sich die KBS zusammen mit den anderen Kirchen um eine stabile Vertretung im Rat der Regierung für Menschenrechte, nationale Minderheiten und Geschlechtergleichheit, so der KBS-Vorsitzende. Auch erwarte man das Zustandekommen "eines Abkommens über die Anerkennung akademischer Titel sowie der nach wie vor ausstehenden Verträge über die finanzielle Absicherung der katholischen Kirche und über den Gewissensvorbehalt".

Ministerpräsident Robert Fico, der seit 2006 mit einer zweijährigen Unterbrechung amtierende Ministerpräsident, der derzeit einer Koalitionsregierung der von ihm geführten sozialdemokratischen "Smer", der gemäßigten Nationalpartei "SNS" sowie der slowakisch-ungarischen Sammelpartei "Most/Hid" vorsteht, dankte in seiner Ansprache bei der KBS Erzbischof Zvolenský für die "außerordentliche Ehre", erstmals bei einer Vollversammlung der KBS anwesend sein zu dürfen. Als "außergewöhnliches Ereignis" bezeichnete er den Abschluss des neunjährigen Wirkens des Apostolischen Nuntius Erzbischof Mario Giordana. Die Würdigung Giordanas, der ein Garant des realistischen und konstruktiven Verhältnisses zwischen Kirche und Staat gewesen sei, zog sich durch Ficos Ansprache. Mit Nachdruck bat Fico Giordana, er möge auf seinen von Papst Franziskus am 1. April ernannten Nachfolger Erzbischof Giacomo Guido Ottonello einwirken, dass der bisherige Kurs beibehalten werde.

Bezüglich der Finanzierung der Kirchen und Religionsgesellschaften verwies der Regierungschef auf die Leistungen, die der Staat für die Gehälter der Geistlichen und die Verwaltung der Kirchen, aber auch den Unterhalt kirchlicher Schulen und karitativer Einrichtungen erbringe. Die Regierung habe ein "Interesse daran, im fachlichen partnerschaftlichen Dialog voranzuschreiten". Konkret gehe es um eine "Modifizierung des Systems direkter Dotationen aus dem staatlichen Budget". Das neue System müsse "auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Transparenz, der Solidarität, der Unabhängigkeit der Kirchen und der Respektierung der ökonomischen Möglichkeiten des Staats" basieren, so Fico.

Nach dem Treffen Ficos mit den Bischöfen sprach Erzbischof Zvolenský von einer positiven Entwicklung des neuen Modells der Kirchenfinanzierung, das auch die kleineren Kirchen und Religionsgesellschaften verstärkt berücksichtige.

Eine wichtige Entscheidung der KBS betraf die Errichtung einer Subkommission für die Katholische Universität in Ružomberok. Diese hatte in den letzten drei Jahren ein Drittel ihrer Hörer verloren. Als Gründe dafür werden die demografische Entwicklung und die Bevorzugung tschechischer Universitäten durch die Studierenden genannt. Eine Rolle könnte jedoch auch die dramatische Führungskrise spielen, die zwischen einigen Professoren und dem mittlerweile verstorbenen Rektor Tadeusz Zasępa ausgetragen wurde. Ein Zeichen für einen neuen Aufschwung ist ein Austausch von Lehrkräften und Studenten mit der Nationaluniversität im ukrainischen Uschhorod. Der Austausch wird finanziell vom europäischen Programm "Erasmus + KA 107" unterstützt.

Im April 2018 soll nach längerer Pause wieder ein Treffen der KBS mit den Bischöfen der Tschechischen Republik stattfinden. Anlässe dafür sind das Jubiläum der Entstehung der Bischofskonferenz nach der Gründung der souveränen Slowakischen Republik vor 25 Jahren, das Jubiläum der Errichtung einer slowakischen Kirchenprovinz vor 40 Jahren sowie die Gründung der Tschechoslowakischen Republik vor 100 Jahren aus der Konkursmasse der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)