Ungarn: Ungarische Regierung entschädigt Patriarchat Konstantinopel

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat vom 18. bis 21. August Ungarn einen offiziellen Besuch abgestattet. Höhepunkt war die Übergabe eines Gebäudekomplexes in Budapest durch die ungarische Regierung. Dieser soll künftig als Sitz des Konstantinopler Exarchats für Ungarn, einer griechischen Schule sowie "Patriarchen-Akademie" und eines Museums für byzantinische Sakralkunst dienen. Bei dieser Schenkung des ungarischen Staates handelt es sich um eine Art Entschädigung für den Verlust der Marienkathedrale an der Budapester Elisabethenbrücke.

Diese hatten orthodoxe Kaufleute griechischer und balkanromanischer (Vlachen) Herkunft errichtet, 1922 wurde sie Sitz der neuen mitteleuropäischen Metropolis des Ökumenischen Patriarchats. Nach der sowjetischen Besetzung Ungarns 1945 übergab dessen nun kommunistische Führung das Gotteshaus an das Moskauer Patriarchat. Eine ungarische Jurisdiktion Konstantinopels wurde erst 1963 wieder errichtet und der Metropolis von Österreich als Exarchat angeschlossen.

Dieses blieb jedoch bis zur Wende von 1990 auf dem Papier. Erst dann konnte der Wiener Metropolit Michail Staikos (1991-2011) eine Seelsorge für die recht zahlreichen Flüchtlinge aus dem griechischen Bürgerkrieg 1946-49 und ihre Nachkommen in Ungarn organisieren. Nicht zurückgegeben wurde ihm hingegen der Budapester Mariendom, obwohl er sich an alle Instanzen der ungarischen Justiz wandte. Erst 2014 kam es zum Abschluss einer Art Konkordat zwischen Ungarn und dem Phanar, das unter anderem dessen Entschädigung vorsah. Im Dezember 2016 wurde dann konkret die Übergabe der Gebäude vereinbart, die Patriarch Bartholomaios I. jetzt übernommen hat. (© 2016 KNA. Alle Rechte vorbehalten.)