Litauen: Märtyrer-Bischof Matulionis seliggesprochen

In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurde am 25. Juni 2017 erstmals seit der Sowjetära ein katholischer Geistlicher als Märtyrer seliggesprochen. Die Zeremonie für Teofilo Matulionis (1873 1962) leitet im Auftrag von Papst Franziskus der Präfekt der römischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato. Franziskus würdigte Matulionis beim Mittagsgebet in Rom als „entschiedenen Verteidiger der Kirche und der Menschenwürde“. Der fast 90-jährige Erzbischof sei aus „Hass auf den Glauben“ getötet worden, so der Papst.

Matulionis, 1873 im südlitauischen Kudoriškis geboren, 1928 zum Weihbischof im Erzbistum Minsk-Mohilev ernannt und im folgenden Jahr geweiht, wurde 1930 zu zehn Jahren Arbeitslager auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer verurteilt, kam jedoch nach drei Jahren krank und entkräftet frei. Nach der Besetzung Litauens durch die Rote Armee 1944 lebte er von 1946 bis 1956 in Internierung, anschließend in Hausarrest. Im Februar 1962 erhielt er, obwohl an seiner Amtsausübung gehindert, den Titel eines Erzbischofs; am 20. August desselben Jahres starb er unter ungeklärten Umständen.

Zur Seligsprechung am 25. Juni 2017 waren nicht nur zahlreiche Gläubige aus Litauen, sondern auch aus den Nachbarländern und aus der litauischen Emigration gekommen. Sie war eine doppelte Premiere: Es handelte sich um die erste Seligsprechung auf litauischem Boden und die erste Seligsprechung eines Glaubenszeugen der kommunistischen Ära in Litauen.

Der Vorsitzende der Litauischen Bischofskonferenz, Erzbischof Gintaras Grusas von Vilnius, erklärte, die „radikale Entschlossenheit“ von Bischof Matulionis, die „Wahrheit um jeden Preis zu suchen“, sei eine „attraktive Botschaft für die Jugend von heute“. In diesem Sinn hatte bereits vor der Seligsprechung am 23./24. Juni in Vilnius ein zweitägiges Jugendfestival stattgefunden. Es sei wichtig, dass Matulionis sein Leben lang „Frieden, Vertrauen und Güte“ gezeigt habe, „sogar gegenüber seinen Verfolgern“, sagte der Erzbischof.

Zu der Seligsprechungsfeier war u .a. auch die Spitze des Rates der europäischen Bischofskonferenzen CCEE in die litauische Hauptstadt gereist. Europa sei „auch auf dem Blut der Märtyrer errichtet“, hieß es in einer vorab verbreiteten Erklärung von CCEE-Generalsekretär Duarte Da Cunha. Matulionis erinnere an „die Notwendigkeit, die Religionsfreiheit zu schützen“. Menschen wie er verteidigten die Werte, auf deren Grundlage Europa geformt sei. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)