Bosnien-Herzegowina: Bischof kritisiert fehlende Hilfe für Rückkehrer

Der bosnische Bischof Franjo Komarica fordert von der internationalen Gemeinschaft mehr Unterstützung für rückkehrwillige Katholiken, die während der Balkankriege in den 1990er Jahren aus ihren Heimatorten geflohen sind. Seit dem Ende der Kriegshandlungen vor mehr als 20 Jahren habe sich die Zahl der Katholiken im Gebiet der Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina halbiert, berichtete der Bischof von Baja Luka nach Angaben der Wochenzeitung "Glas Koncila" bei einer Begegnung mit dem Vorstand des regionalen Amtes des Hohen Repräsentanten in Banja Luka, Botschafterin Marianne Berecz. Die politische, juristische und materielle Hilfe für jene katholischen Flüchtlinge, die seit Jahren zurückkommen wollten, fehle, so Komarica.

Der katholische Bischof äußerte demnach scharfe Kritik an der internationalen Gemeinschaft. Diese sei "nicht genug redlich, ehrlich, einheitlich, konsequent, glaubwürdig und entschlossen". Konkret nahm Komarica neben dem Amt des Hohen Repräsentanten Valentin Inzko auch die Europäische Union in die Pflicht, das Land aus seiner wirtschaftlich und rechtlich schwierigen Situation herauszubringen. Gelinge dies nicht, werde die ungeregelte Situation in Bosnien-Herzegowina, die jahrelang als "das kontrollierte Chaos" behandelt worden sei, die Sicherheit des ganzen Kontinentes dauerhaft gefährden, warnte er.

Ähnlich äußerte sich Komarica auch bei einem weiteren Treffen mit dem Leiter der OSZE-Mission in Bosnien-Herzegowina, Jonathan Moore. Die Katholiken in seiner Diözese würden bei der Vergabe der wirtschaftlichen Hilfe der internationalen Organisationen für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Dörfer, Häuser und Pfarren benachteiligt. Als Beispiel erinnerte der Bischof an die zerstörte Pfarrkirche in Drvar, die bis heute noch nicht wiederaufgebaut worden sei.

Moore stimmte in dem Gespräch laut einem Bericht der Nachrichtenagentur IKA zu, dass derzeit in Bosnien keine "adäquate Therapie" gegen die politische, und sozialen Bedingungen umgesetzt werde und beklagte die Uneinheitlichkeit und Unentschlossenheit der internationalen Gremien beim Wiederaufbau. Gleichzeitig drückte er seinen Optimismus über die Zukunft des Landes aus. Institutionen wie verantwortliche Einzelpersonen müssten aber entschlossener und gemeinsam am Schutz und an der Förderung der Grundrechte der Menschen und ethnischer wie religiöser Gemeinschaften arbeiten. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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