Bosnien-Herzegowina: Anerkennung von Međugorje in Sicht?

Laut dem Sondergesandten des Papstes für Međugorje, Erzbischof Henryk Hoser von Warschau-Praga, steht eine kirchliche Anerkennung des herzegowinischen Wallfahrtsorts Međugorje bevor. In einem Interview erklärte er, „alles deutet darauf hin“, dass die Erscheinungen anerkannt würden, möglicherweise noch in diesem Jahr. Dabei verwies Hoser auf das Gutachten der Untersuchungskommission unter Leitung von Kardinal Camillo Ruini von 2014, laut dem die Mehrheit der Kommissionsmitglieder die ersten Marienerscheinungen für echt hält, an den späteren jedoch zweifelt. Er teile diese Einschätzung, besonders die „Treue zur Kirchenlehre“ der sechs Menschen, denen 1981 Maria erschienen sein soll, spreche dafür. Es sei schwer zu glauben, dass „sechs Seher seit 36 Jahren lügen“, so Erzbischof Hoser.

Papst Franziskus hatte den Bericht der Ruini-Kommission als „sehr, sehr gut“ bezeichnet, zeigte sich aber gegenüber aktuellen Marienerscheinungen in Međugorje skeptisch. Im Frühling hatte er Hoser zum Sondergesandten für Međugorje ernannt, der die pastorale Situation und die Bedürfnisse der Pilger untersuchen sowie Empfehlungen für den Vatikan erarbeiten sollte. Eine Beurteilung der Erscheinungen gehörte nicht zu seinem Mandat. In Međugorje laufe alles in die „richtige Richtung“, betonte nun Hoser. Er empfahl allen Gläubigen eine Wallfahrt dorthin, es sei ein Ort der geistigen Erneuerung. Sollten die Erscheinungen anerkannt werden, würde das Međugorje zu einem weiteren Entwicklungsschub verhelfen.

Jährlich besuchen rund 2,5 Mio. Gläubige aus aller Welt den Wallfahrtsort, obwohl die Marienerscheinungen in der katholischen Kirche umstritten sind und der Vatikan sie nicht anerkannt hat. Der Ortsbischof Ratko Perić von Mostar-Duvno zeigt sich gegenüber den Erscheinungen besonders skeptisch. Die Marienerscheinungen in Međugorje sollen am 24. Juni 1981 begonnen haben, als sechs Kinder berichteten, ihnen sei die Gottesmutter erschienen. Die inzwischen erwachsenen „Seherinnen“ und „Seher“ erhalten angeblich noch immer sehr häufig Botschaften der „Gospa“ (Herrin) zu kirchlichen und sonstigen Themen. (Mit Materialien von KNA und Kathpress)

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