Bulgarien: Bulgarische Kirche will sich für Makedonische Kirche einsetzen

Der Hl. Synod der Bulgarischen Orthodoxen Kirche (BOK) hat sich dafür ausgesprochen, als „Mutterkirche“ der Makedonischen Orthodoxen Kirche (MOK) zu fungieren. Um diesen Schritt hatte die MOK Anfang November in einem Brief an die BOK gebeten. Nach der Sitzung des Hl. Synods vom 27. November 2017 erklärte das bulgarische Patriarchat in einem Statement, es sei sich „seiner heiligen Pflicht bewusst“, die MOK zu unterstützen und sich bei den „anderen orthodoxen Kirchen für die Herstellung ihres kanonischen Status“ einzusetzen.

„Die bulgarische Orthodoxe Kirche war dem Leiden der Makedonischen Orthodoxen Kirche gegenüber nie gleichgültig“, heißt es in dem Statement als Begründung. Der Hl. Synod hat ein Komitee gebildet, das mit der MOK und den anderen orthodoxen Kirchen über den Status der MOK verhandeln soll. Metropolit Gavriil (Dinev) von Lovech, der Mitglied des Komitees ist, warnte jedoch vor einer einseitigen Anerkennung. Diese würde sowohl der MOK wie auch der BOK schaden.

Mit ihrer ungewöhnlichen Bitte versucht die MOK, ihre Isolation innerhalb der Gesamtorthodoxie zu überwinden. Denn seit ihrer einseitigen Autokephalieerklärung 1967 wird sie weder von der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK), von der sich seinerzeit losgesagt hatte, noch von den anderen kanonischen orthodoxen Kirchen anerkannt. Die makedonische Initiative droht nun, das Verhältnis zur SOK weiter zu verschlechtern, und zudem bei den Griechischen und Russischen Orthodoxen Kirchen auf Kritik zu stoßen. Bisher haben sich aber noch keine Vertreter der betreffenden Kirchen offiziell geäußert.

Vor drei Monaten haben die Premierminister Bulgariens und Makedoniens einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen, mit dem die beiden Länder ihre oft angespannten Beziehungen zu verbessern versuchen. Am 23. November besprach der bulgarische Patriarch Neofit die makedonische Bitte mit dem bulgarischen Präsidenten Rumen Radev. In einem gemeinsamen Statement erklärten sie danach, dass der „bulgarische Staat und die bulgarische Kirche sich in ihrem Willen einig sind, die Beziehungen zwischen Bulgarien und Makedonien weiterzuentwickeln und zu vertiefen“.

Während der Sitzung des Hl. Synods hatten sich vor seinem Sitz in Sofia Dutzende versammelt, um still die Bitte der MOK zu unterstützen. Zu den Unterstützern gehört auch der bulgarische Verteidigungsminister Krassimir Karakachanov, der auf die enge sprachliche Verwandtschaft zwischen Bulgaren und Makedoniern hinwies. Sowohl Bulgarien wie Serbien haben die Makedonier lange als Teil ihrer eigenen Nation betrachtet und ihnen die nationale Eigenständigkeit abgesprochen.

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