Türkei: Türkisch wird Kirchensprache der Orthodoxie

Patriarch Bartholomaios I. hat in der Marienkirche des Stadtteils Pera (Beyoglu) in Istanbul am Verkündigungsfest des 25. März 2018 zum ersten Mal einen orthodoxen Gottesdienst in türkischer Sprache gefeiert. In seiner Ansprache wies er auf den übernationalen Charakter des Ökumenischen Patriarchats hin. Dieses sei zwar griechischen Ursprungs, stehe jedoch allen Sprachen der Menschheit offen.

Bisher wurden von Konstantinopel neben allen Kirchensprachen der Orthodoxie vor allem Englisch und Deutsch verwendet, nicht aber das Türkische, obwohl es seit dem Mittelalter in Kleinasien Orthodoxe türkischer Sprache gegeben hatte. Diese "Karamanlides" schrieben das Türkische mit griechischen Buchstaben. Für ihre Gottesdiese fand aber ausschließlich Griechisch Verwendung. 1923/24 wurden sie wie die anderssprachigen Christen vertrieben, obwohl Atatürk die Karamanlides zunächst als Türkisch-Orthodoxe zurückbehalten wollte. Eine eigene türkisch-orthodoxe Kirche mit entsprechender Kultsprache blieb nur als kleine Gruppe übrig und starb in den 1990er Jahren völlig aus. Doch verfügt sie in Istanbul nach wie vor über drei Kirchen.

Das Verhältnis zum Ökumenischen Patriarchat blieb gespannt, so dass dieses eine türkische Kirchensprache bis zuletzt entschieden ablehnte. Erst Bartholomaios hat jetzt diese Hürde überwunden. (© 2016 KNA. Alle Rechte vorbehalten.)

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