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Anfang 2019 ist die Orthodoxe Kirche der Ukraine entstanden und existiert nun neben der Ukrainischen Orthodoxen Kirche. Zudem versucht der frühere Kiewer Patriarch Filaret seine Kirche wiederzubeleben, während auch der Staat in der Frage eine aktive Rolle spielt. Im Videogespräch nimmt Prof. Dr. Thomas Bremer zur aktuellen Lage der Orthodoxie in der Ukraine Stellung.

Jozef Žuffa zur Situation der katholischen Kirche in der Slowakei

Cover Die Freude des EvangeliumsVor kurzem ist das Buch „Die Freude des Evangeliums in der Slowakei II“ erschienen, das eine Situationsanalyse der katholischen Kirche in der Slowakei intendiert. In diesem Rahmen fand auch eine Umfrage unter der Bevölkerung zur Religiosität statt. Was sind deren wesentlichen Ergebnisse?
In unserer Datenerhebung diente die erste Frage als Filter hinsichtlich der Religionszugehörigkeit. 51% der Befragten gaben dabei römisch-katholisch und 5% griechisch-katholisch an. Weitere Fragen beantworteten nur die Respondenten, die angegeben hatten, dass sie römisch- oder griechisch-katholisch sind. Von diesen gaben 12% an, fast jeden Tag den Gottesdienst zu besuchen, 42% mindestens einmal wöchentlich, 9% durchschnittlich einmal pro Monat, 26% einige Male im Jahr und 11% der Respondenten besuchen nie den Gottesdienst.

Auf die Frage, ob sie sich durch die Vertreter der Kirche in der Slowakei in ihren Ansichten und Vorstellungen vertreten fühlen, antworten sechs von zehn befragten Katholiken mit Ja, die restlichen vier fühlen sich nicht durch die Kirche repräsentiert. Auf die Frage „Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass die Kirche, ihre Pfarreien, Institutionen, Schulen Raum für die freie Suche nach Lösungen für Ihr Leben bieten?“ antworten 42% der Katholiken mit Ja, 33% verneinten dies, die restlichen 25% wussten es nicht. Interessant ist auch die Frage nach dem Gefühl des Einbezogenseins in die Vorgänge in der Kirche. Ermittelt wurde dies durch die Frage „Werden Sie durch Priester in Ihrer Gemeinde, Ihrer Stadt zur Mitentscheidung über Themen des kirchlichen Lebens eingeladen und eingebunden?“ Drei von zehn Katholiken fühlen sich zur Mitentscheidung eingeladen, sechs von zehn machen diese Erfahrung nicht und einer von zehn kann diese Frage nicht beantworten.
Das Thema Familie ist eine langjährige Priorität der slowakischen Kirche. Das spiegelt auch die Frage „Machen Sie die Erfahrung, dass die kirchlichen Vertreter in Fragen des Schutzes von Familie und Leben für Sie sprechen?“ wider. Acht von zehn Katholiken bejahen dies, einer von zehn Befragten verneint dies und einer hat keine Antwort auf diese Frage. Ein weiteres, aktuell in der Kirche diskutiertes Thema der letzten Jahre sind Ehen. Von zehn Katholiken haben drei die Erfahrung gemacht, dass die Kirche in der Slowakei geschiedene und wiederverheiratete Katholiken ausreichend in ihre Gemeinschaft aufnimmt, drei Respondenten haben diese Erfahrung nicht gemacht und vier können keine Antwort geben.

Die Daten zeigen, dass es für die Religionsgemeinschaften und vor allem für die Kirchenleitung eine große Herausforderung darstellt, sich ehrlich und kritisch mit den schnellen Veränderungen in der Gesellschaft auseinanderzusetzen und die „Welt“ nicht primär als Feind zu betrachten.

Außerdem fanden Umfragen mit aktiven und ehemaligen Priestern statt, die aus unterschiedlichen Gründen ihren Priesterberuf aufgegeben haben. Was stellen aus Sicht der Geistlichen die größten Herausforderungen der katholischen Kirche in der Slowakei dar?
Wir haben Menschen befragt, die für eine bestimmte Zeit den Dienst eines Priesters ausübten, die innerkirchlichen Verhältnisse grundlegend kannten und dann aus verschiedenen Gründen ihr öffentliches Wirken als Priester beendet haben. Die wichtigsten Themenbereiche der Gespräche waren zusammengefasst die drei folgenden: die Bedeutung der intellektuellen Vorbereitung auf das Priesteramt, fehlende Fähigkeiten in der Seelsorge und die Notwendigkeit einer offeneren und menschlicheren Kommunikation in der Kirchenstruktur. Die Aussagen der Priester, die sich entschieden haben, ihr öffentliches Wirken als Priester zu beenden, dokumentieren relativ gut die Tatsache, dass die Beendigung des Wirkens in der Mehrheit der Fälle nicht einen inneren Bruch mit der Berufung bedeutet. Unsere Umfrage beinhaltete Gespräche mit 15 Akteuren. Es kann in begründeter Weise davon ausgegangen werden, dass –  ähnlich wie bei unseren Respondenten – auch bei den übrigen Priestern in veränderten Lebenssituationen die Bereitschaft zur Ausübung der Priesterberufung fortbesteht, sofern dieser Dienst eine Verbindung von Priestertum und Familienleben ermöglichen würde, wenn es eine Kombination aus Priesterdienst und Zivilberuf gäbe, und wenn die Kirchenorganisation auf allen Ebenen mehr wie eine Familie oder ein Freundeskreis funktionieren würde und nicht wie eine militärische Organisation.

Eine weitere Umfrage wurde unter 107 Priestern im pastoralen Dienst oder in anderen Positionen in der katholischen Kirche durchgeführt. Die statistische Analyse zeigt, dass aufgrund der Antworten zwei Kategorien von Respondenten erstellt werden können: Es gibt eine Gruppe von Priestern, die anders denken als die Kirchenhierarchie, mit der Entwicklung der Kirche in den letzten Jahren nicht zufrieden sind, und nicht davon ausgehen, dass die Kirche in Zukunft an Vertrauen gewinnt, und sich auch in ihren Meinungen durch die Kirchenrepräsentanten nicht vertreten fühlt. Bei der zweiten Gruppe fallen die Antworten zu den genannten vier Punkten genau gegensätzlich aus. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, eine Typologie von Priestern auf der Grundlage ihrer Wahrnehmungen und ihrer Haltung zur Kirche zu erstellen. Die Analyse ergibt, dass in der Slowakei die Hälfte der Priester (51%) kirchlich-institutionelle Optimisten sind, die zweite Hälfte kirchlich-institutionelle Pessimisten (49%).

Auffällig ist, dass Priester, die vor 1990 geweiht wurden, in höherem Maße damit konform gehen, dass die Kirche mit der modernen Welt offener kommunizieren sollte, als die Priester, die nach 2010 geweiht wurden. Auf der anderen Seite stimmen nach 2010 geweihte Priester in einem viel höheren Maße der Aussage zu, dass die Kirche in der pastoralen Praxis mehr Raum für laisierte Priester schaffen sollte, als vor 1990 geweihte Priester.

Der Titel des Buches lehnt sich an das Apostolische Schreiben "Evangelii gaudium" von Papst Franziskus an. Auf welche Akzeptanz stößt die Botschaft von Papst Franziskus bei den Gläubigen in der Slowakei?
Die Schreiben von Papst Franziskus sind in slowakischer Übersetzung herausgegeben worden, so dass man sich über seine Predigten und Interviews informieren kann. Gleichzeitig gibt es aber wenige Beispiele, an denen deutlich wird, dass sich die Kirchenkultur auf der „Suche nach Updates“ verändert. Unsere Umfrage unter den Katholiken zeigt, dass sich bei den meisten das Verständnis für die Linie des aktuellen Papsts eher in Grenzen hält. Befragt nach ihren persönlichen Sympathien zu den letzten drei Oberhäuptern der katholischen Kirche, antworteten 70%, dass ihrem Glauben Johannes Paul II. am nächsten stehe, 5% nannten Benedikt XVI. und die übrigen 26% Papst Franziskus.

Jozef Žuffa, Doz. Dr. theol., Pastoraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universität Trnava, Slowakei.

Karol Moravčik, Jozef Žuffa (Hg.)
Die Freude des Evangeliums in der Slowakei II
Fakten und Meinungen
Bratislava: Petrus Publishers 2019, 277 S.
ISBN 978-80-89913-37-4. € 10.–.

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