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Anfang 2019 ist die Orthodoxe Kirche der Ukraine entstanden und existiert nun neben der Ukrainischen Orthodoxen Kirche. Zudem versucht der frühere Kiewer Patriarch Filaret seine Kirche wiederzubeleben, während auch der Staat in der Frage eine aktive Rolle spielt. Im Videogespräch nimmt Prof. Dr. Thomas Bremer zur aktuellen Lage der Orthodoxie in der Ukraine Stellung.

Sebastian Rimestad über Estland und den Papstbesuch


Hintergrund SebRim Kopf 300Neben Litauen und Lettland wird Papst Franziskus in den nächsten Tagen auch Estland besuchen. Estland gilt als eines der säkularisiertesten Länder in Europa. Welche Rolle spielt Religion heute im gesellschaftlichen Leben?
Die katholische Kirche in Estland umfasst weniger als 5.000 Mitglieder, d .h. ca. 0,4 % der Bevölkerung. Sie ist hauptsächlich eine Kirche der Minderheiten – die meisten Gläubigen und Geistliche stammen ursprünglich aus Polen oder von der südlichen Halbkugel. Das ist bei den Religionsgemeinschaften in Estland generell so. Die Esten sind eher wenig religiös, aber die Minderheiten umso mehr. Laut der letzten Volkszählung von 2011 stellt die Orthodoxe Kirche die größte Religionsgemeinschaft in Estland gemäß Selbstidentifikation dar. Im gesellschaftlichen Leben spielt Religion somit allgemein keine große Rolle; es sei denn, es geht um Minderheitenpolitik oder die Beziehungen zu dem östlichen Nachbarn Russland. Ansonsten sind die meisten Esten zurückhaltend in religiösen Fragen, über die man in der Öffentlichkeit nicht spricht. Bei Großereignissen, wie z.B. dem Papstbesuch, wird allerdings auch Religion öffentlich thematisiert.


In Estland wird der Papst einen besonderen Akzent auf die Ökumene legen. Wie gestalten sich gegenwärtig die ökumenischen Beziehungen im Land?
Estland ist stolz darauf, ein gutes ökumenisches Klima im Land zu haben. Es gibt Dialoggremien, wie z. B. der Rat Estnischer Kirchen (EKN), der seit 1989 alle in Estland agierenden christlichen Gemeinschaften umfasst. Der Apostolische Administrator von Estland, Philippe Jourdan, ist einer der Vize-Präsidenten des EKN und fühlt sich sichtlich wohl in Estland. Bis auf den Streit zwischen den beiden orthodoxen Kirchen in Estland gibt es keine nennenswerten Hindernisse für die ökumenische Zusammenarbeit in Estland. Auch der Streit zwischen den beiden orthodoxen Kirchen wird nicht vornehmlich in Estland, sondern auf einer höheren Ebene – zwischen den Patriarchaten Moskau und Konstantinopel – ausgetragen.

Der Papstbesuch steht im Zusammenhang mit dem 100. Jahrestag der estnischen Unabhängigkeit. Welchen Stellenwert nimmt dieses Jubiläum ein?
Der 100. Jahrestag der estnischen Unabhängigkeit am 24. Februar wird in ganz Estland ausgiebig gefeiert. Die Feiern dauern offiziell vom April 2017 bis zum Februar 2020 und spielen eine größere Rolle im gesellschaftlichen Leben als der Papstbesuch. Die meisten Esten sehen das Jubiläum als Hauptereignis an, wobei der Papstbesuch eines der Ereignisse in dessen Rahmen darstellt. Auf der offiziellen Homepage des Jubiläums sucht man sogar vergeblich nach dem Papstbesuch. Von offizieller estnischer Seite her scheinen der Papstbesuch und das Jubiläum nichts miteinander zu tun zu haben. Es würde mich nicht wundern, wenn ein beachtlicher Teil der Esten noch gar nicht mitbekommen hat, dass Papst Franziskus am 25. September nach Estland reist.

Sebastian Rimestad, Dr., Fellow am Käte Hamburger Kolleg Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa der Ruhr-Universität Bochum und Habilitand am Seminar für Religionswissenschaft der Universität Erfurt.

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