USA: Russische Auslandskirche fordert Entfernung Lenins vom Roten Platz

Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland fordert, dass die sterblichen Überreste Lenins, des „größten Verfolgers und Henkers im 20. Jahrhundert“ vom Roten Platz verschwinden. In ihrem Hirtenbrief anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution von 1917 betonen die Bischöfe der Auslandskirche, dass dies „ein Zeichen der Versöhnung des russischen Volkes mit Christus“ wäre. Zudem forderten sie, dass alle Lenin-Denkmäler zerstört werden sollten: „Sie alle sind Symbole der Katastrophe, Tragödie und der Zerstörung unserer gottgegebenen Herrschaft.“ Städte, Provinzen und Straßen sollten ihre vorrevolutionären Namen zurückerhalten.

Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland wurde nach der Oktoberrevolution 1917 von russisch-orthodoxen Gläubigen gegründet, die vor religiöser Verfolgung durch die Bolschewiken aus der Sowjetunion geflohen waren. 1927 erklärte sie sich für unabhängig vom Moskauer Patriarchat, nachdem Patriarch Sergij eine Loyalitätserklärung gegenüber der Sowjetunion abgegeben hatte. Seit 2007 bestehen wieder kanonische Verbindungen mit dem Moskauer Patriarchat, dem die Auslandskirche mittlerweile als autonome Kirche verbunden ist. Heute umfasst die Auslandskirche etwa 450 Gemeinden in Amerika und Europa. Der Sitz des Metropoliten und der obersten Kirchenverwaltung ist seit 1957 New York.
Zwischen 1953 und 1961 war im Lenin-Mausoleum auch der Leichnam Stalins aufgebahrt, bis er im Zuge der Entstalinisierung auf den Ehrenfriedhof dahinter umgebettet wurde. Die Entfernung des Leichnams Lenins aus dem Mausoleum am Roten Platz wird bereits seit der Endphase der UdSSR immer wieder diskutiert. Bisher einzige Konsequenz war 1993 der Abzug der Ehrenwache unter Präsident Boris Jelzin.
In der Sendereihe „Kirche und Welt“ des TV-Senders „Rossija-24“ trat der Leiter des Kirchlichen Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Ilarion (Alfejev), ebenfalls dafür ein, dass Straßennamen, die an sowjetische Funktionäre erinnern, geändert werden sollen. Aber man dürfe nichts übereilen, denn die Umbenennungen müssten von der Bevölkerung akzeptiert werden. Er hoffe aber, dass „früher oder später alle einsehen werden“, dass viele jener Namen Terroristen, Mörder und Henker bezeichneten, die „mit negativem Vorzeichen in die Geschichte eingegangen“ seien. Derzeit gebe es aber zur Frage der Umbenennungen noch unterschiedliche Auffassungen in der Bevölkerung, ebenso im Hinblick auf die Entfernung des Leichnams Lenins vom Roten Platz.
Als „demagogisch“ bezeichnete der Metropolit das von den Gegnern der Umbenennung oft herangezogene Argument, neue Straßentafeln würden die Steuerzahler viel Geld kosten. Freilich müsse man auch die Macht der Gewohnheit in Rechnung stellen. Er selbst habe sich auch erst an die neuen Bezeichnungen der wichtigen Metro-Stationen in Moskau gewöhnen müssen. Das sei eine geringfügige Belastung, wenn dafür „die Namen der Mörder und Kriminellen von unseren Straßen, Plätzen und Metro-Stationen verschwinden“.
Metropolit Ilarion hatte vor einem Monat in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale eine Ausstellung zum Gedenken an die Märtyrer aus der Zeit des Bolschewismus und Stalinismus eröffnet. Bestimmte Namen dürften nicht aus dem Gedächtnis verschwinden, betonte er: „Es gab Repressionen, Millionen schuldloser Menschen wurden ermordet. Die Kirche hat ihre Meinung über das 20. Jahrhundert zum Ausdruck gebracht, als sie im Jahr 2000 mehr als 1 700 neue Märtyrer und Bekenner, deren Namen bekannt waren, und viele tausende, deren Namen niemand mehr kennt, heilig sprach.“

www.synod.com/synod/indexeng.htm, 10. März; Kathpress, 16. März 2017.

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