Russland: Papst unterstützt Einheit der ROK

Papst Franziskus hat die ökumenische Verbundenheit mit der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) betont. Anlässlich eines Treffens mit Metropolit Ilarion (Alfejev), dem Leiter des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, und einer Delegation der ROK am 30. Mai 2018 im Rom erklärte er zudem, dass die katholische Kirche keine Vorgehensweisen zulassen werde, die eine Spaltung der ROK hervorrufen würden.

Metropolit Ilarion unterstrich in seiner Rede, wie wichtig der Dialog zwischen der ROK und der römisch-katholischen Kirche sei, um das gegenseitige Verständnis und einen dauerhaften Frieden zwischen den Nationen zu stärken. Die „humanitäre und friedensstiftende Rolle der Kirchen“ könne in der „Zeit dramatischer Spaltungen“ nicht überschätzt werden. Dabei sprach er insbesondere dem Bereich der Kultur ein „enormes Potenzial“ zu. Mit Verweis auf Papst Franziskus‘ und Patriarch Kirills gemeinsame Erklärung von Havanna, die die gemeinsame spirituelle Tradition von Ost und West und dabei insbesondere die Heiligenverehrung hervorgehoben hatte, berichtete der Metropolit, die ROK werde im Herbst in Rom eine der wichtigsten russischen Ikonen ausstellen. Die „Kreuzigung“ von Dionysius, einem Schüler des berühmtesten russischen Ikonenmalers Andrej Rublov, werde zum ersten Mal Russland verlassen und den Pilgern in Rom präsentiert werden. Zudem würden 20 weitere Ikonen aus der Sammlung der Tretjakov-Galerie im Petersdom ausgestellt werden.

Papst Franziskus betonte in seiner Ansprache, er sei strikt gegen jede Spaltung der ROK, in Russland gebe es „nur ein Patriarchat“, ein anderes würde er nicht akzeptieren. Der Uniatismus sei heute überholt, der einzige mögliche Weg zu mehr Einheit sei der Dialog. Die mit Rom unierten Kirchen „müssen respektiert werden“, fügte Franziskus hinzu, aber der Uniatismus als Weg zur Einheit „funktioniert heute nicht mehr“. Zudem unterstrich der Papst, dass die katholischen Kirchen sich nicht in die inneren Angelegenheiten der ROK einmischen dürften, aber auch nicht in die Politik. Dies sei seine Meinung und die gültige Position des Hl. Stuhls. Diejenigen, die anders handelten, würden sich dem Hl. Stuhl widersetzen.

Für den 7. Juli 2018 hat Papst Franziskus Vertreter verschiedener Kirchen zu einem ökumenischen Friedensgebet für den Nahen Osten in die süditalienische Stadt Bari eingeladen. Spekulationen, dass es dabei zu einem erneuten Treffen zwischen Franziskus und Kirill kommen könnte, sind bisher nicht bestätigt worden. Ilarion sagte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur SIR, man arbeite noch an der Umsetzung vieler Beschlüsse, die der Papst und der russische Patriarch bei ihrem letzten (und ersten) Treffen gefasst hätten. Nach Einschätzung des Ostkirchenexperten Thomas Bremer von der Universität Münster hätte eine mögliche Begegnung zwischen Papst und Patriarch in Bari vor allem eine „spirituelle Dimension“. Diese sei aber auch nicht zu unterschätzen, wie er im Interview mit dem Nachrichtenportal VaticanNews sagte. „Der heilige Nikolaus wird von beiden Kirchen sehr geschätzt. Es ist ganz interessant, dass zum Beispiel in der russischen-orthodoxen Kirche der Feiertag der Übertragung der Gebeine des heiligen Nikolaus nach Bari eingeführt wurde, und zwar nach dem Jahr 1054, als offiziell die Trennung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche zumindest formal schon vollzogen war. Es gibt also ein gewisses verbindendes Element, das über das formelle Datum des Schismas hinausgeht. Diese spirituelle Dimension ist ohne Zweifel zugegen und man darf sie nicht unterschätzen“, so Thomas Bremer.

Die Delegation der ROK unter Ilarions Leitung hatte drei Tage in Italien für die zweite Sitzung der Arbeitsgruppe der ROK und der Italienischen Bischofskonferenz verbracht. Das zentrale Thema des Treffens waren verschiedene Aspekte des Pilgerns. (mit Material von KNA)

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