Russland: Putin würdigte Verdienste Kirills zum Amtsjubiläum

Anlässlich seines zehnjährigen Amtsjubiläums als Patriarch hat der russische Präsident Vladimir Putin Kirills Leistungen gelobt und die „gemeinsamen Pflichten“ von Staat und Kirche hervorgehoben. Beide müssten die „spirituell-ethische und Wertegrundlage bewahren und stärken sowie an die Jugend weitergeben“. Zudem würdigte Putin die soziale und Bildungsarbeit der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), die in den letzten Jahren ausgeweitet worden sei, als „unschätzbar“.

Am Festakt vom 31. Januar im Kreml, an dem hochrangige Delegationen mehrerer orthodoxer Lokalkirchen und zahlreiche Staatsbeamte teilnahmen, bezeichnete Putin die Werte der ROK und anderer traditioneller Religionen in Russland als Grundlage für „Identität, Einheit und Solidarität“. Diese seien zentral, um für die „großen historischen Aufgaben“ der heutigen Zeit gewappnet zu sein. Außerdem dankte Putin dem Patriarchen für die „anhaltende Aufmerksamkeit für Mitbürger und Unterstützung für Gemeinschaften im Ausland“.

Kirill blickte in seiner Rede auf Erfolge der letzten zehn Jahre, darunter die Gründung von über 9000 neuen Gemeinden, zurück. Zufrieden zeigte er sich auch mit der Arbeit und der Situation der ROK im Ausland, außer in der Ukraine, auf deren schwierige Lage er jedoch nur kurz einging. Eine zentrale Herausforderung sieht er in gesellschaftlichen Veränderungen, die „immer schneller traditionelle universelle Werte zurückweisen“. Es sei notwendig, „ernsthaft“ darüber nachzudenken, wie die „Lücke zwischen dem Leben der Gesellschaft und den Traditionen der Kirche“ überbrückt werden kann. Zudem dankte er Putin für den fruchtbaren Dialog zwischen Kirche und Staat und bewertete die Beziehungen als besser denn je zuvor in der Geschichte Russlands. In seiner Ansprache nach dem Festgottesdienst zu Ehren seines Amtsjubiläums am 1. Februar betonte Kirill die Herausforderungen des Amtes und die Kraft, die seine Ausführung erfordere.

Bei seinem Treffen mit den angereisten Delegationen der orthodoxen Lokalkirchen kritisierte Patriarch Kirill erneut das Vorgehen des Ökumenischen Patriarchats in der Ukraine und betonte erneut, die ROK anerkenne das Vereinigungskonzil vom Dezember nicht. Die „Einmischung Konstantinopels“ werfe zudem eine Reihe von „sehr wichtigen ekklesiologischen und kanonischen Fragen“ auf, so nach der Bedeutung des Primats in der Orthodoxie. Der serbische Patriarch Irinej signalisierte in der Ukraine-Frage die Unterstützung seiner Kirche: „Die Ukraine ist eine große Versuchung für die Orthodoxie.“ Seiner Ansicht nach ist das Problem „nicht kanonischer oder ekklesiologischer, sondern rein politischer Natur“. Die ganze Orthodoxie müsse sich mit dieser Frage sehr ernsthaft auseinandersetzen, um sie zu lösen.

Auch der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen, Pfarrer Olav Fykse Tveit, war nach Moskau gereist. Im Gespräch mit Kirill betonte er die Bedeutung des ökumenischen Engagements der ROK und ihrer Beteiligung an der Arbeit des Weltkirchenrats. Kirill bekräftigte das Engagement der ROK im Weltkirchenrat und nahm auch auf dessen Rolle während des Kalten Krieges Bezug. Lob erhielt Kirills bisherige Amtszeit auch von Metropolit Ilarion, dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, der insbesondere die Reformen der Kirchenstruktur als Verdienst hervorhob. Unter Kirill habe die Kirche ein Wiederaufblühen erlebt.

Am 27. Januar 2009 war der damalige Metropolit Kirill vom Landeskonzil der ROK mit großer Mehrheit zum Patriarchen gewählt und am 1. Februar inthronisiert worden. Von 1971 bis 1974 war er Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Weltkirchenrat, danach Rektor der Leningrader Geistlichen Akademie. 1984 wurde er zum Bischof der Eparchie Smolensk ernannt. Von 1989 bis zu seiner Patriarchenwahl war er zudem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats.

10 Jahre Patriarch Kirill – ein Rückblick auf seine bisherige Amtszeit

interview 10 jahre kirill elsnerDer russische Patriarch Kirill hat am 1. Februar das 10-jährige Jubiläum seiner Inthronisation gefeiert. Regina Elsner blickt auf seine Amtszeit zurück und sieht die Hoffnung auf Modernisierung, theologische Weiterentwicklung sowie mehr Dialog und Ökumene enttäuscht.

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