Ukraine: Metropolit Onufrij ruft zu Gefangenenaustausch auf

Metropolit Onufrij (Beresovskij) von Kiew, das Oberhaupt der Moskau unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), hat den russischen Patriarchen Kirill und den neuen ukrainischen Präsidenten Volodymyr Selenskyj aufgerufen, sich für den Austausch von Gefangenen im Donbass einzusetzen. In einem TV-Interview erklärte er, er habe Patriarch Kirill gebeten, Schritte für die Freilassung ukrainischer Kriegsgefangener zu unternehmen. An den ukrainischen Präsidenten habe er einem analogen Brief mit der Bitte geschickt, den Prozess des Gefangenenaustauschs wieder aufzunehmen. Er betonte, er fordere beim Gefangenenaustausch ein Format „alle für alle“.

Onufrij fügte hinzu, dass seine Kirche ihr Möglichstes tun werde, um die ukrainischen Kriegsgefangenen zu befreien, was auch in einem Treffen mit Präsident Selenskyj diskutiert worden sei. Irgendwo müsse der Frieden beginnen, erklärte der Metropolit in dem Interview weiter. Wahrscheinlich sei es „der logischste Weg, bei diesen jungen Leuten anzufangen“, damit sie nicht in Gefangenschaft leiden müssen und nach Hause zurückkehren können. Damit wieder Frieden im Land einkehre, müssten die Menschen einander lieben und respektieren. Auf dem Frieden baue alles auf, wirtschaftliches, soziales und spirituelles Wachstum, erklärte Onufrij weiter.

In derselben Angelegenheit trat Onufrij auch mit Vadim Novinskij, einem Abgeordneten des Oppositionsblocks und Unterstützers der UOK, in einem Fernsehinterview auf. Dabei verwies Onufrij auf den Machtwechsel in der Ukraine als Grund, seine Bemühungen in der Frage wieder zu intensivieren. Novinskij sprach sich für eine Beteiligung von Onufrij und Patriarch Kirill an einem möglichen Gefangenenaustausch aus. Die Politik behindere den Prozess und lasse die Kirche ihre Friedensmission nicht durchführen, kritisierte er. Der Hl. Synod der UOK entschied an seiner Sitzung vom 28. Juli, eine Kommission zur Frage von Gefangenenaustausch und Befreiung Gefangener einzurichten. Auch der Hl. Synod betonte die Wichtigkeit eines Austauschs „alle für alle“ und versicherte der Initiative Onufrijs seine Unterstützung.

Zur Befreiung ukrainischer Gefangener in Russland, im Donbass und auf der Krim wurden in Kiew an einem Runden Tisch praktische Schritte diskutiert. Die Veranstaltung wurde vom Institut für Religiöse Freiheit und dem Zentrum für Bürgerfreiheiten organisiert, unter den Teilnehmern waren Vertreter öffentlicher Organisationen, Angehörige von Gefangenen und Vermissten, Vertreter von Religionsgemeinschaften, Menschenrechtsaktivisten, Vertreter der Polizei und des Parlaments sowie Vertreter von Botschaften und internationalen Organisationen. In einer Resolution forderten sie Russland auf, die politische Verfolgung zu stoppen und alle ukrainischen politischen Gefangenen freizulassen. Zudem riefen sie zum Schutz der Rechte ukrainischer Gefangener in den besetzten Gebieten, die vor der Okkupation verurteilt wurden, und ihrem Transfer in die Ukraine auf. Außerdem schlugen sie die Ernennung eines Sonderbeauftragten der EU für die besetzten Gebiete im Donbass und auf der Krim vor. Die internationale Gemeinschaft riefen sie auf, Russland aufzufordern, Vertretern internationaler Organisationen den Zugang zur Krim und zum Donbass sowie den dort Festgehaltenen zu gewähren.

Im Dezember 2017 hatte Patriarch Kirill mit Vertretern der selbsternannten Volksrepubliken im Donbass und der Bewegung Ukrainische Wahl – das Recht des Volks ein Abkommen vereinbart, das zur Freilassung von 306 Gefangenen durch Kiew und zur Rückkehr von 74 Gefangenen in die Ukraine führte. Kirill unterstrich damals die Wichtigkeit des Gefangenenaustauschs für die Russische Orthodoxe Kirche, da auf beiden Seiten ihre Gläubigen stünden.

Drucken