Ukraine: Mehrheit der Ukrainer misstraut Moskauer Patriarchen

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hat in der Ukraine stark an Ansehen eingebüßt. Laut einer am 26. April 2018 veröffentlichten Umfrage des Kiewer Meinungsforschungsinstituts Rasumkow vertrauen dem Kirchenoberhaupt 15,3 Prozent der Ukrainer. 44,6 Prozent hätten hingegen kein Vertrauen zu ihm. 2013 vertrauten den Angaben zufolge noch 38,2 Prozent dem Patriarchen; 25,3 Prozent misstrauten ihm. Die Meinungsforscher erklären den Vertrauensverlust damit, dass Kirill ein "aggressives Vorgehen Russlands gegen die Ukraine" offen unterstützt habe. Auch die ihm unterstehende ukrainisch-orthdoxe Kirche hat an Zuspruch verloren. Zu ihr bekennen sich der laut Umfrage aktuell 12,8 Prozent der Bürger. 2010 seien es noch fast doppelt so viele gewesen (23,6 Prozent).

Die meisten Ukrainer bekennen sich laut Rasumkow mit 28,7 Prozent zur orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats. 2010 war ihr Anteil etwa halb so groß. 23,4 Prozent der Befragten gaben an, "einfach orthodox" zu sein. Sie ordneten sich keiner Kirche zu. Zur mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche bekennen sich demnach so viele wie noch nie seit 2010: 9,4 Prozent. Die römisch-katholische Kirche kommt nahezu unverändert auf einen Bevölkerungsanteil von 0,8 Prozent. 2,2 Prozent bezeichneten sich als Protestanten, 11,0 Prozent als konfessionslos.

Das höchste Ansehen aller Kirchenführer genießt in der Ukraine der orthodoxe Kiewer Patriarch Filaret. Ihm vertrauen laut Umfrage 43 Prozent, 20 Prozent misstrauen ihm. Das 1992 gegründete Kiewer Patriarchat hatte sich von der russisch-orthodoxen Kirche abgespalten.

Die meisten Kirchen in der Ukraine machen selbst keine genauen Angaben zu ihrer Mitgliederzahl. Sie veröffentlichen nur die Zahl ihrer Kirchengemeinden. Demnach liegt die orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats mit mehr als 10'000 Pfarreien mit großem Abstand auf Platz eins. (© 2016 KNA. Alle Rechte vorbehalten.)

Drucken