Ukraine: Bischof der Ukrainischen Orthodoxen Kirche ausgewiesen

Der ukrainische Kirchenstreit zieht weiter Kreise. In der jüngsten Episode wurde Bischof Gedeon (Charon), Abt des Desjatinnij-Klosters in Kiew, bei seiner Ankunft am Flughafen in Kiew am 13. Februar die Einreise verweigert. Der Bischof der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK, Moskauer Patriarchat), der von einer USA-Reise zurückkehrte, wurde aufgrund von Problemen mit seinen Dokumenten festgenommen und verließ am folgenden Tag Kiew.

Der Sprecher der Grenzpolizei, Oleh Slobodyan, erklärte, dem Bischof sei auf Anordnung der Sicherheitsbehörden sein Pass abgenommen worden, weil er über die Staatsbürgerschaft mehrerer Länder verfüge. Zudem betreibe er „anti-ukrainische Propaganda“ und sei ein „aktiver Verfechter der ‚russischen Welt‘“. Auf Facebook erklärte Bischof Gedeon die verweigerte Einreise damit, dass angeblich seine Staatsbürgerschaft annulliert worden sei. Zwei Wochen zuvor, bei seiner Abreise in die USA, habe es jedoch keine Probleme gegeben. Zudem sei der Verlust seines Passes als Grund für die Festnahme angegeben worden, obwohl er nie gemeldet habe, seinen Pass verloren zu haben. Auch die Aussagen über seine Abreise aus Kiew widersprechen sich. Seine Begleiter schrieben auf Facebook, er sei von schwer bewaffneten Männern in ein Flugzeug zurück in die USA gebracht worden. Laut anderen Meldungen hat er freiwillig einen Flug nach Frankfurt genommen.

Während seiner USA-Reise hatte Gedeon in Washington Mitglieder des Kongresses und Außenminister Mike Pompeo über die Diskriminierung der UOK in der Ukraine informiert und einen offiziellen Appell von Metropolit Onufrij (Berezovskij), die Verletzung der Rechte und Freiheiten von Gläubigen zu berücksichtigen, überbracht. Darin sieht die Russische Orthodoxe Kirche den Grund für das Vorgehen gegen den Bischof, wie Vladimir Legojda, Leiter der Synodalabteilung für die Beziehungen von Kirche, Gesellschaft und Medien, erklärte. Seine „Worte der Wahrheit“ hätten den „Hass der ukrainischen Behörden“ hervorgerufen, so dass sie ihm die Staatsbürgerschaft entzogen hätten.

Am 11. Februar trafen sich Mönche und Geistliche der Eparchie Ternopol der UOK mit Vertretern der OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine (SMM) im Kloster Potschajev, um „aktuelle Probleme der rechtlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche sowie die Verletzungen der Rechte der Gläubigen“ zu besprechen. Zudem trafen SMM-Vertreter mit Bischof Varsonofij (Stoliar) von Vinniza und Bar zusammen. Dabei informierte der Bischof über die „schwierige inter-konfessionelle Situation“ und die „Diskriminierung“ der UOK. Er beklagte „gewalttätige Handlungen“ von Unterstützern der neu gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) gegen Gemeindemitglieder und Geistliche sowie den „erzwungenen Übertritt“ von Gemeinden zur OKU. In einer Videobotschaft an die UNO, OSZE, EU und eine Reihe von Staaten kritisierte auch Bischof Viktor (Kozaba), Leiter der UOK-Vertretung bei den europäischen internationalen Organisationen, die Zustände in der Ukraine. Die orthodoxen Gläubigen seien „Geiseln in einem politischen Spiel der Anführer des Landes“.

An die OSZE wandte sich aber auch die OKU, um auf die „Verfolgung der OKU auf der besetzen Krim“ aufmerksam zu machen. Die dortigen Behörden hätten die OKU in Simferopol aufgefordert, die von ihr genutzten Gebäude zu räumen. Dem zugrunde liege die Absicht, die Präsenz der OKU auf der Halbinsel und das Leben ihrer sechs Gemeinden praktisch zu beenden. Die zuständigen Behörden erklärten, die OKU müsse sich in Russland als religiöse Organisation registrieren, dann dürfe sie das Areal in Simferopol weiter nutzen.

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