Ukraine: Orthodoxe Kirchen lehnen ukrainische Autokephalie weiterhin ab

Die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) hat zum wiederholten Mal das Vorgehen des Ökumenischen Patriarchats in der Ukraine verurteilt. In einem Brief an Patriarch Bartholomaios betont die SOK, dass sie nur die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) unter der Leitung von Metropolit Onufrij (Berezovskij), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, anerkennt, während sie die neue autokephale Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) als kanonisch nicht-existent betrachtet und daher nicht anerkennt.

In dem Brief vom 6. Februar, der auf der griechischen Nachrichtenseite romfea.gr veröffentlicht wurde, verurteilt die SOK das „offensichtlich unkanonische Eindringen“ in das kanonische Territorium der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK). Die SOK erkenne das sog. Vereinigungskonzil vom 15. Dezember nicht an, da keine Bischöfe der UOK daran teilgenommen hätten. Daher sei die OKU eine „künstliche Konföderation kleiner schismatischer Gruppen“, wobei die „Schismatiker Schismatiker geblieben sind“. Es handle sich um ein „Pseudo-, Antivereinigungs-, trennendes und spaltendes Konzil, das den Graben der Entfremdung und Desintegration“ noch vertiefe, heißt es in dem Brief weiter. Schließlich sei die Kirchenleitung verpflichtet, ihren Geistlichen von der Kirchengemeinschaft mit den Mitgliedern der OKU abzuraten.

Der Hl. Synod der ROK hat an seiner Sitzung vom 26. Februar ebenfalls ein Statement zur Situation in der Ukraine verabschiedet. Darin zeigt er sich über die „dramatische Verschlechterung der Situation der UOK“ besorgt und kritisiert die „diskriminierenden“ Gesetze, die von der Rada in den letzten Wochen angenommen wurden. Es werde „immer offensichtlicher“, dass die Behörden die UOK zu „liquidieren“ beabsichtigten. Die Situation habe zu einem „Ausbruch der Gewalt“ gegen Geistliche und Gläubige der UOK geführt, heißt es in der Stellungnahme weiter. Abschließend ruft der Hl. Synod die internationale Gemeinschaft auf, die Verletzung der Menschenrechte zu berücksichtigen und die staatliche Einmischung zu verurteilen.

Patriarch Bartholomaios hat seine Entscheidung, der OKU die Autokephalie zu verleihen, mit dem Hinweis verteidigt, sie habe diese auf dieselbe Weise wie die anderen orthodoxen Lokalkirchen erhalten. In einem Interview mit der serbischen Zeitung Politika erklärte er, das Einverständnis der anderen orthodoxen Kirche sei traditionell nicht für die Erteilung der Autokephalie nötig. In keinem Fall seien Abkommen oder Verhandlungen auf panorthodoxer Ebene vorangegangen. Zudem habe sich das Patriarchat von Konstantinopel nicht „plötzlich entschieden“, sich mit „irgendeinem ausgedachten Problem“ zu befassen. Seine Motive seien ekklesiologischer und kanonischer Natur und keinesfalls opportunistisch gewesen, außerdem habe es auch keinen Druck von konkreten Staaten gegeben. Allerdings hätten viele Staatsoberhäupter dem Ökumenischen Patriarchat zu seinem Vorgehen gratuliert. In einem Brief an den Patriarchen der Orthodoxen Kirche von Antiochien stellte Bartholomaios zudem klar, dass es auch künftig zu keinem panorthodoxen Treffen zur Diskussion der Ukraine-Frage kommen werde.

Zur Ukraine hat sich auch der Hl. Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche (RumOK) geäußert und dabei die Patriarchate von Konstantinopel und Moskau erneut dazu aufgerufen, das Problem gemeinsam zu lösen. Sollte der bilaterale Dialog scheitern, sei es notwendig, ein Treffen aller Vorsteher der orthodoxen Kirche einzuberufen. Besondere Bedeutung für eine Entscheidung des Hl. Synods hat die Situation der 127 rumänisch-orthodoxen Gemeinden in der Ukraine. Diese vor allem in der Nordbukowina gelegenen Gemeinden unterstehen der UOK. Mit diesen Gläubigen müsse die Lage besprochen werden, zudem seien schriftliche Garantien der ukrainischen kirchlichen und staatlichen Behörden für die Respektierung der ethnischen und sprachlichen Identität dieser Rumänen notwendig. Die rumänischsprachigen Orthodoxen in der Ukraine hätten das Recht, sich in einem „rumänisch-orthodoxen Vikariat“ zu organisieren und spirituelle Verbindungen mit dem orthodoxen Patriarchat von Rumänien zu pflegen. Erst nach Abschluss dieser Konsultationen werde der Hl. Synod seine „offizielle Position“ zur Ukraine erläutern, heißt es im Statement des Hl. Synods.

Der Hl. Synod der Orthodoxen Kirche von Zypern hat im Februar ebenfalls Stellung zur Ukraine genommen. Die OKU anerkennt er nicht, stellt jedoch die guten Absichten des Ökumenischen Patriarchats nicht in Frage. Allerdings sei es ihm auf diesem Weg nicht gelungen, „Frieden und Einheit“ in der ukrainischen Orthodoxie wiederherzustellen. Dieser Prozess brauche sicherlich Zeit, sollte aber die Einheit nicht erreicht werden, erwarte die Kirche von Zypern, dass Konstantinopel ein panorthodoxes Konzil einberufe.

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