Georgien: 100 Jahre Patriarchat

In Tiflis haben am 12. Februar 2018 große Feiern zum 100. Jahrestag der Wiedererrichtung des georgisch-orthodoxen Patriarchats stattgefunden. Auf Einladung des georgischen Parlaments wurde mit mehr als 250 nationalen und internationalen Gästen sowie Vertretern der armenisch-apostolischen Kirche, der georgisch-lutherischen Kirche und der georgischen Muslime die Rolle der orthodoxen Kirche in Georgien beleuchtet. Ein wissenschaftliches Symposium zu „Religion im öffentlichen Leben“ ergänzte die Feier.

Giorgi Margvelashvili, der Präsident der Republik Georgien, sagte in seiner Ansprache, dass die Rolle der Kirche für die georgische Nation von zentraler Bedeutung gewesen und noch immer sei. Als Vertreter des Patriarchen Ilia II., der krankheitshalber nicht teilnehmen konnte, überraschte der Erzbischof-Koadjutor Metropolit Daniel mit einem klaren Bekenntnis zur unverzichtbaren Aufgabe der Kirche in Gesellschaft und Staat. Das sei ein Zeichen dafür, dass die national georgische Kirche den Weg zu einem Miteinander in Toleranz und einen konstruktiven Umgang mit der Vielfalt der Gesellschaft finde.

In seiner Ansprache verwies Elmar Kuhn, der Generalsekretär von „Christian Solidarity/Österreich (CSI-Österreich)“ und Dekan der Klasse Weltreligionen der Europäische Akademie der Wissenschaften, darauf, dass Religion und Zivilgesellschaft aufeinander angewiesen seien, unter anderem im Zusammenspiel von Spiritualität und Rationalität. Daher müssen getreu dem Motto des Symposiums Religion und Wissenschaft als Leitmotiv einer Gesellschaft dienen. Der Schlüssel für Wohlstand, Erfolg und Frieden einer Gesellschaft lägen, so Kuhn, in der Erziehung mit Emotion, Spiritualität und solidem Wissen. Die Rolle der Kirchen und Religionen im Prozess der Entwicklung der Gesellschaft anzuerkennen, sei das Gebot der Stunde.

Die georgische Kirche geht bis auf das 2. Jahrhundert zurück. 1811 schaffte die russische Regierung Autokephalie und Patriarchat der georgischen Kirche ab. Sie wurde dem Heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche unterstellt, die Anzahl der Diözesen stark verkleinert und anstelle des Katholikos-Patriarchen ein aus Russland stammender Exarch von Georgien eingesetzt. Im März 1917 erklärte sich die georgische Kirche wieder für unabhängig und brach mit der russischen Kirche. Die Autokephalie der georgisch-orthodoxen Kirche blieb innerhalb der Orthodoxie jahrzehntelang umstritten. Das Ökumenische Patriarchat bestätigte die Autokephalie erst 1989. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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