Kasachstan: Kongress von Religionsführern für eine sichere Welt

Am sechsten Kongress der Anführer von Weltreligionen und traditionellen Religionen in Astana haben über 80 Delegationen aus aller Welt teilgenommen. Anwesend waren Vertreter von Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Taoismus, Zoroastrismus und anderen religiösen Organisationen sowie Politiker und Vertreter internationaler Organisationen. Seit 2003 findet der Kongress alle drei Jahre statt, dieses Jahr unter dem Titel „Religiöse Führer für eine sichere Welt“.

In seiner Eröffnungsrede verwies der kasachische Präsident Nursultan Nasarbaev, der hinter der Initiative steht, auf die momentan turbulente Phase der Weltgeschichte, die er als „Teufelskreis von gegenseitigem Misstrauen, Feindseligkeit und Konflikt“ beschrieb. Angesichts der zahlreichen Probleme, wie zwischen- und innerreligiöse Auseinandersetzungen, Handelskriege, Umweltverschmutzung und Sanktionen, müssten alle Menschen, auch politische und religiöse Anführer, besorgt sein. Spirituellen Führungsfiguren komme bei der Problemlösung eine Schlüsselrolle zu, da alle Religionen universelle menschliche Werte und moralische Prinzipien teilten. Dieses „spirituelle Prinzip, gewoben aus einer Vielzahl von Überzeugungen, Glauben und Idealen sollte die Einigungsprozesse erleichtern“, gab sich Nasarbaev überzeugt.

Kasachstan wurde für seinen interreligiösen Frieden gelobt, 18 Glaubensgemeinschaften und 3715 religiöse Vereinigungen lebten in dem Land friedlich zusammen. Kasachstan sei es gelungen, ein „Gleichgewicht zwischen der Gewährleistung der nationalen Sicherheit und dem Schutz der Religionsfreiheit zu finden“, erklärte dazu Nasarbaev. Weitere Reden hielten der Scheich der Azhar in Ägypten, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, der sephardische Oberrabbiner von Israel, Yitzhak Yosef, und der Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes, Erzbischof Urmas Viilma. Dieser betonte, heute sei „Zusammenarbeit gefragt, nicht Abschottung“. Er verwies auf die wichtige Rolle der Religionsgemeinschaften in der Entwicklungszusammenarbeit, die zu einer besseren menschlichen Sicherheit beitrage. Eine weitere Aufgabe bestehe darin, junge Menschen dazu zu ermutigen, den Weg des Friedens zu gehen.

Der Kongress verlieh dem Päpstlichen Rat für interreligiösen Dialog einen neu geschaffenen Preis für seinen „Beitrag zum interreligiösen Dialog und die riesige Unterstützung des Kongresses“. Francesco Coccopalmerio, ehemaliger Vorsitzender des Päpstlichen Rats für rechtliche Texte und Leiter der Delegation des Vatikans, nahm die Auszeichnung entgegen. In seiner Ansprache betonte er, dass Religion und Politik getrennt bleiben müssten, um zu einer „effektiven Zusammenarbeit zugunsten des Allgemeinwohls“ finden zu können.

Eine Auszeichnung erhielt auch Metropolit Ilarion (Alfejev), Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Für seinen außerordentlichen Beitrag zur Stärkung des interreligiösen Dialogs wurde ihm eine Ehrenmedaille verliehen. An einer Sitzung lobte er die Einmischung Russlands in den Konflikt in Syrien, dem das gleiche Schicksal wie dem Irak und Libyen gedroht habe. Dort hätten die „Einmischungen im Namen der Demokratie“ im „Chaos“ resultiert. Die Situation im Nahen Osten zwinge „uns dazu, wieder und wieder über die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Konsolidierung der Bemühungen der religiösen Anführer“ zum Schutz des Lebens und Friedens nachzudenken.

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