Polen: Bischofskonferenz distanziert sich von politischen Wahlkampagnen

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Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in Polen hat der Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz betont, dass Kanzeln nicht für politische Ansprachen genutzt werden sollen und sich die Kirche generell nicht im Wahlkampf engagiert. Anlass war unter anderem eine zehnminütige Rede der Vizeministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Jadwiga Emilewicz der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei der zweiten nationalen Wallfahrt von Unternehmern zur Marienwallfahrtsstätte in Częstochowa am 21. Juni. Die Messe einschließlich ihrer Rede von der Kanzel wurde live im Fernsehsender TVP1 übertragen, was in den sozialen Medien zahlreiche empörte Reaktionen von Oppositionspolitikern auslöste, die den Auftritt als Wahlpropaganda bezeichneten.

Noch am selben Tag erinnerte Bischofskonferenz-Sprecher Paweł Rytel-Andrianik daran, dass die Bischofskonferenz bereits 2005 darauf hingewiesen habe, dass „Kanzeln nicht für Auftritte (Reden) genutzt werden sollen, die nicht mit der Verkündigung des Wortes Gottes zusammenhängen“. Katholiken sollten sich wie alle anderen Bürger politisch engagieren, aber nicht in den Kirchen. Ebenso engagiere sich die Kirche nicht für Wahlkampagnen, und wenn das in irgendeiner Kirche oder einem Gebäude der Kirchgemeinde vorkomme, so sei das nicht mit der Mission der Kirche vereinbar, die das Evangelium jedem Menschen unabhängig von seinen politischen Ansichten verkünde. Bereits am 19. Juni hatte sich die Bischofskonferenz von einem Brief des Bevollmächtigten des „Rates der Polonia und der Polen im Ausland“, Jan Dziedziczak, an alle polnischen Missionarinnen und Missionare distanziert, der zur Teilnahme an der Präsidentschaftswahl aufrief als „zivilisatorische Wahl, die über die weitere Gestalt des Vaterlands für die künftigen Generationen entscheidet“. Rytel-Andrianik zeigte sich verwundert und überrascht über den Brief, der nicht mit dem Sekretariat der Bischofskonferenz und mit keinem Bischof abgesprochen worden sei: „Der Versand des Briefes war unangebracht und hätte nicht stattfinden dürfen. Die katholische Kirche engagiert sich nicht in Wahlkampagnen.“

Der Pressedienst der Marienwallfahrtsstätte Jasna Góra in Częstochowa teilte am 22. Juni mit, dass eine Regelung von öffentlichen Auftritten von Laien während religiösen Veranstaltungen und anderen Fragen in Zusammenhang mit der Organisation von Pilgerreisen erarbeitet werde. In Bezug auf die Corona-Krise hatte Emilewicz in Jasna Góra die staatliche Unterstützung für Unternehmer angesprochen: „Arbeit sollte vor Kapital stehen. Darauf lohnt es sich zu achten, während wir versuchen, Sie bei der Bewältigung der Schwierigkeiten zu unterstützen, indem wir öffentliche Hilfe anbieten. Wir tun das und der Erhalt von Arbeitsplätzen ist unser gemeinsames Ziel.“ Emilewicz wehrte sich in einem Interview mit TVN24 gegen den Vorwurf der Wahlpropaganda: „Ich finde in diesen Worten keinen Hauch von Agitation, wir haben keinen Namen eines Kandidaten genannt. Mein ganzer Auftritt bezog sich auf die Rolle der Unternehmer im gesellschaftlichen Leben. [...] Ich habe heute keine Grenze der religiösen und politischen Freiheit überschritten.“

Regula Zwahlen

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