Polen: Tausende demonstrieren gegen Abtreibungen

Mehrere tausend Menschen haben am 15. April 2018 in Warschau für den Schutz von ungeborenen Kindern demonstriert. Zu dem "Marsch für das Leben" hatte unter anderem die katholische Kirche aufgerufen. Die Demonstranten forderten ein Verbot von Abtreibungen. Der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz rief bei einer Messe in der Johanneskathedrale dazu auf, das Leben immer zu verteidigen. Niemandem stehe zu, darüber zu entscheiden, ob ein Mensch leben dürfe. An dem Demonstrationszug durch die Innenstadt beteiligten sich laut Schätzungen der Organisatoren zwischen 10.000 und 12.000 Menschen.

Die Organisatoren betonten in diesem Jahr besonders, dass Eltern ihr Kind zur Adoption freigeben könnten, wenn sie es selbst nicht aufziehen wollten. Viele Paare, die selbst keine Kinder bekommen könnten, würden gerne Kinder adoptieren.

Ein Parlamentsausschuss hatte es einige Tage zuvor abgelehnt, über eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes zu beraten. Die Sprecherin der von rund 800.000 Bürgern unterstützten Volksinitiative "Stoppt Abtreibung", Kaja Godek, warf den Mitgliedern des Ausschusses für Sozial- und Familienpolitik daraufhin vor, für den "Tod von drei Kindern pro Tag" verantwortlich zu sein.

Angesichts von Protesten vieler Polinnen war die rechtskonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zuletzt auf Distanz zum Gesetzentwurf der Volksinitiative gegangen. Wann das Parlament über den Gesetzentwurf entscheidet, ist bisher unklar. Er sieht eine Ausweitung des bestehenden weitreichenden Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen auf missgebildete Föten vor. Dann wären Abtreibungen nur noch erlaubt, wenn die Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft gefährdet ist oder sie vergewaltigt wurde.

Die katholische Kirche in Polen macht sich für die Volksinitiative stark. Der Krakauer Erzbischof Marek Jędraszewski appellierte am 9. April an die Abgeordneten, für den Gesetzentwurf der Initiative zu stimmen. "Wir haben das Recht zu erwarten, dass im Sejm schnell alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, damit das Leben von Kindern geschützt wird, bei denen der Verdacht besteht, dass sie von einer Krankheit betroffen sind", sagte er bei einer Messe. Jedes Leben müsse verteidigt werden.

2016 wurden laut Regierungsangaben 1'042 der 1'089 registrierten legalen Schwangerschaftsabbrüche wegen einer unheilbaren Krankheit des Fötus vorgenommen. Laut Umfragen lehnt eine große Mehrheit der Polen die Volksinitiative ab.(© 2016 KNA. Alle Rechte vorbehalten.)