Polen: Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an die Auslandpolen

Anlässlich der 100-jährigen Unabhängigkeit Polens hat sich die Polnische Bischofskonferenz zum 3. Mai an alle im Ausland lebenden Polen gewandt. Der 3. Mai ist das Hochfest der „Heiligen Jungfrau Maria, der Königin Polens“ (poln. Najświętsza Maryja Panna (NMP) Królowa Polski) und wird seit 1925 in allen katholischen Diözesen Polens zum Dank für die 1918 erlangte Unabhängigkeit des Landes gefeiert. Der 3. Mai ist auch ein staatlicher Nationalfeiertag, den viele Polen weltweit mit öffentlichen Paraden feiern und dabei eine enge Verbindung zur katholischen Kirche betonen.

In dem Hirtenbrief danken die Bischöfe den über 2000 Priestern und Ordensschwestern auf allen Kontinenten für ihre Sorge „um den Erhalt und die Vertiefung der christlichen und polnischen Identität“. Da diese Zahl bei weitem nicht ausreicht, um das Seelsorgebedürfnis der polnischen Katholiken im Ausland zu decken, werden die Gläubigen dazu aufgerufen, die Gemeinschaft mit Jesus durch das persönliche und familiäre Gebet, die Lektüre und Befolgung von Gottes Wort, durch den Empfang der heiligen Sakramente zu suchen und regelmäßig an der Heiligen Messe in der Sprache des Wohnorts teilzunehmen. So sollen die Gläubigen ihren Glauben vor anderen Auslandspolen und vor der Gemeinschaft der lokalen Kirche bezeugen. Den Bischöfen der Lokalkirchen danken die polnischen Bischöfe für ihre Offenheit und ihr Verständnis für die religiösen Bedürfnisse der Polen.

Ehepaare und Familien werden dazu aufgerufen, neben dem Streben nach einem besseren materiellen Leben im Ausland, die wichtigeren Bedürfnisse der physischen und geistigen Nähe nicht zu vernachlässigen und insbesondere auf eine systematische Katechese der Kinder zu achten. Mit Bezug auf Papst Johannes Paul II. wird die Weitergabe des geistigen Erbes an die nächste Generation durch die Unterstützung von Bildungsplattformen aufgerufen, die Unterricht in der polnischen Sprache und Geschichte bieten. Trotz aller ideellen, politischen, historischen oder persönlichen Unterschiede sollen sich Polen in auslandpolnischen Institutionen und Vereinen engagieren, um die polnische Kultur zu fördern und den guten Namen Polens zu bewahren. Mit den Worten von Priester Piotr Skarga (1536-1612), einem führenden polnischen Jesuiten der Gegenreformation, wird unterstrichen: „Wer dem Vaterland dient, dient sich selbst.“

Bischof Wiesław Lechowicz, Delegierter der Bischofskonferenz für die Seelsorge in der polnischen Emigration, nennt vier Gründe für den Hirtenbrief an die Auslandpolen: Die Erinnerung an den Unabhängigkeitskampf der polnischen Emigration, die Situation der gegenwärtigen polnischen Emigranten, die das Land aus ökonomischen und beruflichen Gründen verlassen, der Dank an polnische Geistliche und Laien, die im Ausland ein Zeugnis des Glaubens und der Kirche sind, und die Erinnerung an die gemeinsamen Wurzeln in Glauben, Sprache, Kultur und Geschichte aller „Katholiken von der Weichsel“ unabhängig von ihrem Aufenthaltsort.

Weltweit finden sich Strukturen der polnischen katholischen Mission in 23 Ländern. In ca. 1500 Seelsorge-Zentren finden regelmäßig Gottesdienste in polnischer Sprache statt. Über 2,5 Mio. Polen – mehr als sechs Prozent der Bevölkerung – leben derzeit im Ausland, wobei der Großteil davon (über eine Million) in Großbritannien lebt, gefolgt von Deutschland mit über 600000. Die Zahl der Personen mit polnischen Wurzeln im Ausland wird auf ca. 20 Mio. geschätzt.