Tschechien: Nationalwallfahrt nach Velehrad mit Rekordbeteiligung

Mehr Menschen denn je zuvor - an die 50'000 - haben an der tschechischen Nationalwallfahrt zu Ehren der Heiligen Kirill und Method im mährischen Velehrad teilgenommen. Bei der Glaubensveranstaltung unter dem Titel "Tage der Menschen guten Willens" am 5. und 6. Juli 2018 war der Schädel der heiligen Ludmila ausgestellt; die Reliquie war aus Anlass des Jubiläums der Gründung der Tschechoslowakei vor 100 Jahren aus Prag nach Velehrad gebracht worden.

Die Zurschaustellung des Craniums bei den Gottesdiensten und zum Gebet in der Königskapelle der Basilika sei für Velehrad "ein Durchbruchsereignis", erklärte Wallfahrtssekretär Josef Kořínek. Die Fürstin Ludmila war die Großmutter und Erzieherin des Nationalheiligen Wenzel (Vaclav) und soll in Velehrad die Taufe empfangen haben.

Ein besonderes Gedenken galt auch zwei in Velehrad beigesetzten Geistlichen und Politikern, die sich 1918 und in den Jahren danach um die Integration der katholischen Kirche in den ihr reserviert gegenüberstehenden jungen Staat verdient gemacht haben. Am Sarkophag des Olmützer Erzbischofs Antonín Cyril Stojan (1851-1923) in der Krypta der Basilika erinnerte der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, Kardinal Dominik Duka, auch an Stojans Verdienste um die Bewältigung der Priesterkrise, die 1920 ihren Höhepunkt in der Abspaltung der  Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche fand. Papst Franziskus hat Stojan, für den ein Seligsprechungsverfahren läuft, im Jahr 2016 den "heroischen Tugendgrad" bestätigt.

Am Grab Jan Šrámeks (1870-1956), der so wie Stojan Abgeordneter zum österreichischen Reichstag war, erinnerte der Olmützer Erzbischof Jan Graubner an die Verdienste des Priesters um die Einigung der tschechischen christlichen Parteien und um die Gründung der Tschechoslowakischen Volkspartei, deren Vorsitzender Šrámek von 1919 bis 1938 und 1945 bis 1948 war. Von 1940 bis 1945 war er Ministerpräsident der Londoner Exilregierung.

Erzbischof Graubner hielt auch die Homilie beim Hauptgottesdienst der Wallfahrt. Im Hinblick auf "den wachsenden Einfluss der Nachfolger der kommunistischen Diktatoren" warnte der Metropolit der mährischen Kirchenprovinz vor dem "neuen Gesicht der marxistischen Ideologie, die die Freiheit wegnimmt, die Ordnung umstürzt und Hass weckt", aber auch vor der Kurzsichtigkeit angesichts der globalen Erwärmung. "Solang das Wasser aus den Hähnen tropft", interessiere das nicht. Hier so wie bei der Lösung aller Probleme sei "die wahre Weisheit zu suchen, wie sie auch Kirill und Method vermittelt haben". (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)