Slowakei: Schlüsselgestalt früherer Untergrundkirche gestorben

Trauer um eine der Schlüsselgestalten der einstigen Untergrundkirche in der kommunistischen Tschechoslowakei: Ján Kočiš, seit 2006 emeritierter Generalvikar und Weihbischof des griechisch-katholischen Prager Apostolischen Exarchats, ist am 4. Dezember 2019 im 94. Lebensjahr verstorben. Kočiš war der letzte Hierarch, der die bewegte Geschichte seiner Kirche in kommunistischer Zeit – vom Verbot 1950 über die Wiederzulassung 1968 bis zur vollen Auferstehung im Jahr 1990 – bewusst miterlebt hat. Einen Tag nach dem 52. Jahrestag seiner geheimen Bischofsweihe ist er nun im slowakischen Prešov verstorben, wo er zuletzt lebte. Verabschiedung und Beisetzung in der Krypta des griechisch-katholischen Prešover Doms finden am 9. Dezember statt, teilte die Slowakische Bischofskonferenz mit.

Ján Eugen Kočiš wurde am 25. Juni 1926 in Pozdišovce in der Ostslowakei geboren. Als Kleriker erlebte er 1950 im griechisch-katholischen Priesterseminar in Prešov die Auflösung und das Verbot seiner Kirche durch die kommunistische Staatsgewalt. Bis Ende 1953 musste er sich als Bau- und Forstarbeiter verdingen. Am 1. Januar 1951 wurde er geheim mit Zustimmung des später seliggesprochenen Bischofs Pavol Peter Gojdič (1888-1969) durch Bischof Róbert Pobožný (1890-1972) in der Spitalskapelle in Rožňava zum Priester geweiht.

Um einer Festnahme zu entgehen, versteckte sich Kočiš 1955 bis 1958 bei wohlgesinnten Menschen, aber auch in Maisfeldern und Stadeln. Am 7. Februar 1958 wurde er festgenommen und zu vier Jahren Kerker, Verlust der Bürgerrechte sowie Aufenthaltsverbot in der Ostslowakei verurteilt. Im Zuge einer Amnestie kam Kočiš zwei Jahre später frei und arbeitete bis zum Prager Frühling des Jahres 1968 in einem Gaswerk im ostböhmischen Pardubice. An seinen freien Tagen reiste Kočiš, der seiner mit Rom verbundenen Kirche stets treu blieb und deren Zwangseingliederung in die Orthodoxe Kirche nicht mitmachte, in die Ostslowakei, um geheim sein Priesteramt auszuüben.

Am 3. Dezember 1967 empfing er in Brno aus den Händen von Geheimbischof Felix Davídek (1921-1988) die Bischofsweihe. Von Mai bis Juli 1968 wirkte er als Privatsekretär des internierten später seliggesprochenen Bischofs Vasil‘ Hopko (1904- 1976) und erlebte in dieser Funktion die Wiederzulassung der griechisch-katholischen Kirche in der damaligen Tschechoslowakei. In den Jahren der sogenannten Normalisierung bis zur Samtenen Revolution des Jahres 1989 fungierte Kočiš, neben Einsätzen in Pfarren, im wiedererrichteten griechisch-katholischen Ordinariat in Prešov, die Ernennung zum Leiter der bischöflichen Kanzlei hingegen blieb ihm verwehrt.

Nach dem Sturz des KP-Regimes Ende 1989 war Ján Eugen Kočiš zunächst Pfarrer in einer kleinen Gemeinde in der Ostslowakei, ehe er 1993 nach Prag übersiedelte, um das Ordinariat des damals neu errichteten Prager griechisch-katholischen bischöflichen Vikariats zu leiten. Nach dessen Erhebung in den Rang eines Apostolischen Exarchats avancierte er 1996 zu dessen Generalvikar.

Am 24. April 2004 ernannte Papst Johannes Paul II. Kočiš zum Titularbischof von Abrittum und Weihbischof des Prager Exarchats. Da Kočiš‘ Bischofsweihe durch den umstrittenen Bischof Davídek in der Untergrundkirche nicht öffentlich erfolgt war, wurde er 25. Mai 2004 in der Prager Klemenskathedrale „sub conditione“, also für den Fall der Ungültigkeit der ersten Weihe, zum zweiten Mal zum Bischof geweiht. 2006 emeritierte er und kehrte 2010 ins heimatliche Prešov zurück. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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