Lettland: Erzbischof weist "Druck" aus Deutschland zurück

Das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands, Erzbischof Janis Vanags, hat die Abschaffung der Frauenordination in seiner Kirche im Sommer 2016 verteidigt. Zugleich kritisierte er im Interview des Fachdienstes "Ökumenische Information" der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die deutschen Lutheraner, die in dieser Frage heftigen Druck auf die lettische Kirche ausübten. "Auch die deutschen Lutheraner haben vor nicht allzu langer Zeit keine Frauen ordiniert. Sie sollten den Glauben ihrer Vorfahren nicht so verwerfen, wie sie es mit uns tun", meinte Vanags.

In sowjetischer Zeit habe der damalige Erzbischof Janis Matulis die Frauenordination ohne Konsultation mit der Synode begonnen, erläuterte Vanags. Bereits seit 1993 ordiniere seine Kirche keine Frauen mehr; nun gebe es dazu einen Beschluss der Synode, der mit 77 Prozent der Stimmen angenommen worden sei. Der Erzbischof kritisierte die in den westlichen Kirchen verbreitete Methode der Bibelauslegung, mit der die Frauenordination begründet wurde und mit der jetzt etwa auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare legitimiert werde.

"Diesen Fortschritt halten wir nicht für attraktiv und richtig. Wir denken, dass diese Kirchen einen Fehler machen", betonte Vanags. Die westlichen Kirchen übten aber Druck auf die ärmeren Kirchen in Osteuropa, in Afrika, in Asien und Südamerika aus, um zu erreichen, dass alle Kirchen diesen Weg gingen. Dabei wüchsen diese Kirchen nicht, sondern sie verlören Mitglieder.

Zur Mitgliedschaft seiner Kirche im Lutherischen Weltbund (LWB) meinte Vanags, sie wolle eine Mitgliedskirche bleiben, könne aber mit manchen anderen Mitgliedskirchen keine volle Gemeinschaft mehr haben, wie es in der Verfassung des LWB vorgeschrieben sei. Es sei unklar, wie der LWB damit umgeht. Eine Mitgliedschaft im theologisch konservativeren Internationalen Lutherischen Rat (ILC) habe die lettische Kirche noch nicht beantragt, auch aus finanziellen Gründen.

Durch die Entscheidung zur Frauenordination hätten sich die lettischen Lutheraner unter den anderen LWB-Kirchen "spürbar marginalisiert", so der Erzbischof. Dies bringe sie viel näher an den ILC als bisher. Dieser werde womöglich als Dachverband konservativer Lutheraner innerhalb der lutherischen Kirchen an Bedeutung gewinnen. Er könnte nach Einschätzung von Vanags "ein Anknüpfungspunkt für all jene sein, die sich in den Landeskirchen in Deutschland nicht mehr zu Hause fühlen". (© 2016 KNA. Alle Rechte vorbehalten.)