Russland: Lutherische Kirche lädt Patriarch Kirill nach Estland ein

Bei einem Treffen in Moskau hat Erzbischof Urmas Viilma von der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (EELK) Patriarch Kirill nach Estland eingeladen. Kirill, der Estland 2013 zuletzt besucht hatte, nahm die Einladung an. Das Treffen fand am 29. November im Danilov-Kloster in Moskau in einer „warmen Atmosphäre“ statt und war „von beiden Seiten erwünscht“.

Der russische Patriarch lobte die bilateralen Beziehungen zwischen der EELK und der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) sowie die strikte Position der EELK bei der Verteidigung christlicher Werte. Damit hob er die EELK von anderen westlichen Kirchen ab, die sich in ihrer Haltung an der liberalen Gesetzgebung ihrer Länder orientieren würden. Zudem betonte er, dass die Anwesenheit lutherischer Gemeinden estnischer Tradition in Russland für beide Kirchen und Länder wichtig sei.

Die Estnische Orthodoxe Kirche, eine autonome Kirche innerhalb des Moskauer Patriarchats, zähle heute über 170‘000 Mitglieder, erwähnte Patriarch Kirill im Gespräch. Damit gehörten ihr sechsmal mehr Gläubige an, als der orthodoxen Kirche in Estland, die dem Patriarchat von Konstantinopel untersteht. Dieses Verhältnis spiegle sich aber nicht in der Anzahl Kirchen, worin Kirill eine „Ungerechtigkeit“ sieht. Er vermutet „politische Motive“ für diesen Zustand, bei der „Lösung kirchlicher Fragen aber müssen wir uns von politischen Sympathien und Antipathien distanzieren“.

Erzbischof Viilma würdigte die Zusammenarbeit und das gute Verhältnis zwischen den Kirchen, deren Dialog auch im Rahmen des Estnischen Rats der Kirchen stattfinde. Eine übereinstimmende Position in der Verteidigung christlicher Werte hob auch Viilma hervor, ebenso „in Bezug auf dringende Probleme und Herausforderungen, mit denen die heutige Gesellschaft konfrontiert ist“. In seiner Predigt in der lutherischen Peter-und-Paul-Kathedrale in Moskau betonte er seine Dankbarkeit für das gegenseitige Verständnis in der spirituellen Begleitung der Menschen. In Estland sei die Situation von „ausgezeichnetem gegenseitigem Verständnis und Zusammenarbeit“ zwischen der EELK und der orthodoxen Kirche sowie den anderen im Estnischen Rat der Kirchen vertretenen christlichen Kirchen geprägt. Er überbrachte den lutherischen Gläubigen zudem Grüße des Lutherischen Weltbundes, dessen Vize-Präsident für Mittel- und Osteuropa er ist, und lobte die Arbeit der evangelisch-lutherischen Kirche in Russland. Erfreut zeigte er sich außerdem über die gute Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Kirche in ihrem Engagement für das spirituelle und materielle Wohlergehen der Menschen, die er als beispielhaft für andere Kirchen und Länder in Europa bezeichnete. (NÖK)

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