Polen: Massive Vorwürfe gegen Danziger Erzdiözese

Der Apostolische Nuntius in Polen, Erzbischof Salvatore Pennacchio, hat sich mit einer Gruppe von Gläubigen getroffen, die dem Danziger Erzbischof Sławoj Leszek Głódź Vertuschung von sexuellen Missbrauchsfällen vorwirft. Die Gruppe hatte sich mit drei Briefen an die Nuntiatur gewandt und fordert die Demission von Głódź. Die Gruppe von Gläubigen erklärte vor dem Treffen am 2. März, es gehe ihnen vor allem „um die Frage der Genugtuung für geschädigte Personen in der Danziger Erzdiözese, angefangen mit sexuell missbrauchten Personen und Opfern der Pädophilie, Gemeindeglieder, deren Gemeindeeigentum verkauft wurde, bis zu Mobbing gegenüber Priestern.“

Am 24. Oktober 2019 hatte eine Fernsehreportage von TVN24 für Aufsehen gesorgt, die von Briefen mehrerer Priester der Erzdiözese Danzig an den Apostolischen Nuntius berichtete, die ihrem Vorgesetzten Erzbischof Głódź Mobbing in Form von öffentlichen Erniedrigungen und psychischer Misshandlung vorwerfen. Die Danziger Gruppe legte dem Nuntius sechs Fragen vor, die laut Teilnehmenden des 45-minütigen Gesprächs jedoch nicht beantwortet wurden. Der Nuntius habe betont, dass er in der Angelegenheit von Erzbischof Głódź nichts machen könne, und dass dazu auch kein Verfahren hängig sei. Die Gruppe könne aber eine offizielle Klage an die Glaubenskongregation in Rom richten. Die Organisatorin der Proteste, Justyna Zorn, will sich diesen Schritt überlegen, oder den öffentlichen Protest vor der Nuntiatur in Warschau fortsetzen.

Nach dem Treffen veröffentlichte auch die Polnische Bischofskonferenz eine Erklärung. Sie lobte die gute Atmosphäre des Gesprächs und verwies auf die Rolle des Nuntius, der gemäß internationalem und kanonischem Recht nicht für die Beurteilung der Schuld eines Menschen bzw. solcher Angelegenheiten zuständig sei, die durch seine Vermittlung an die zuständigen Organe der Kurie weitergeleitet würden.

Erzbischof Głódź nahm am 2. März als Zeuge an einer Gerichtsverhandlung teil; es geht um ein Gerichtsverfahren gegen einen Vikar einer Danziger Gemeinde, dem eine zweifache Vergewaltigung einer 17-Jährigen vorgeworfen wird. Der Vikar wurde in eine andere Gemeinde versetzt und plädiert auf unschuldig.

Am 3. März hat außerdem Barbara Borowiecka Klage gegen die Erzdiözese Danzig betreffend Unterlassung von Maßnahmen durch Erzbischof Głódź eingereicht. Die heute 63-Jährige hatte 2018 publik gemacht, dass sie zum ersten Mal als Zwölfjährige vom populären Danziger Solidarność-Pfarrer Henryk Jankowski missbraucht worden war. Bald darauf wurde dessen Denkmal in Danzig gestürzt. Erzbischof Głódź wollte es wiederaufrichten und verwies darauf, dass Ermittlungen gegen einen Verstorbenen unmöglich seien. Einem weiteren des Missbrauchs angeklagten Priester, Franciszek Cybula, organisierte er ein großes Begräbnis. Auf den aufrüttelnden Dokumentarfilm „Sag es bloß niemandem“ angesprochen, sagte Erzbischof Głódź, er schaue kein „altes Zeug“, wofür er sich auf Druck der Bischofskonferenz danach öffentlich entschuldigen musste.

Regula Zwahlen

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