Kroatien: Gedenkmesse in Bleiburg zum Jahrestag der Gewaltexzesse

An einer vom Direktor der Kroatischen Caritas, Prälat Fabijan Svalina, geleiteten Gedenkmesse mit mehr als 30 Konzelebranten und einer bischöflichen Ansprache, in der an die Opfer des Massakers von Bleiburg („Tragödie von Bleiburg“; Mai 1945) erinnert wurde, haben am 18. Mai in der Südkärntner Gemeinde mehrere Tausend Kroaten teilgenommen. Es waren deutlich weniger als in den vergangen Jahren; ein Teil von ihnen war aus der Diaspora in Westeuropa und Amerika angereist.

Die Messe war wichtigster Programmpunkt eines jährlichen Treffens, das international immer wieder wegen des Erscheinens rechtsextremer Einzelpersonen und Verbände für Kritik gesorgt hat. Die Diözese Gurk-Klagenfurt hatte deshalb im März einen bischöflichen Vorsitz der liturgischen Feier nicht genehmigt. Ein generelles Verbot für eine Messfeier – und ebenso für eine bischöfliche Ansprache – durfte die Kärntner Diözesanleitung aus kirchenrechtlichen Gründen allerdings nicht erteilen. Denn die Messe fand auf Privatgrund statt. Die Ansprache hielt der Bischof von Krk, Ivica Petanjak.

Petanjak beklagte den Streit innerhalb der Kirche und innerhalb der Europäischen Union sowie die Scheu vieler Kroaten, über die tragischen Fakten in der eigenen Geschichte authentisch Zeugnis zu geben: „Warum erniedrigen wir uns für unsere ganze Geschichte und warten und verlangen von den anderen, dass sie über uns urteilen und uns ihre Wahrheit aufzwingen?“, so der Bischof.

Der Bischof erinnerte an die Lage in der Urkirche, als der Apostels Paulus den innerkirchlichen Streit der Christen in Korinth anprangerte: „Paulus fragte mit schmerzendem Herzen die Christen in Korinth, damit diese sich schämten: 'Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten? Stattdessen zieht ein Bruder den andern vor Gericht, und zwar vor Ungläubige. Ist es nicht überhaupt schon ein Versagen, dass ihr miteinander Prozesse führt?' (1 Kor 6, 5-7).“

Dies sei heute ebenso, so Petanjak: „Bis wann werden wir Prozesse unter uns führen und streiten? Bis wann sollen die anderen über uns urteilen und uns sagen, was die Wahrheit ist? Wann werden wir das Wort der Wahrheit hören wollen und uns an einen Tisch setzen und in Gemeinschaft wie Geschwister leben?“

Die Kroatische Bischofskonferenz als Veranstalterin der Messe – jedoch nicht des gesamten Treffens – hatte appelliert, dass das Bleiburger Treffen als religiöses Totengedenken begangen und nicht für andere Zwecke instrumentalisiert werden sollte. Alle, die diese Gedenkveranstaltung für die Opfer von Kriegsverbrechen unterstützten, sollten „würdevoll und von Gebet erfüllt“ teilnehmen.

Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten mit der Kirche in Kärnten entschieden sich die kirchlich Verantwortlichen in Zagreb, einen rangmäßig unterhalb eines Bischofs stehenden Mitarbeiter der Bischofskonferenz als Zelebranten zu entsenden. Die Wahl fiel dabei auf Prälat Svalina. Zur Predigt trat dann aber – überraschenderweise – doch ein Bischof, nämlich Ivica Petanjak, hervor.    

In diesem Jahr galt in Bleiburg erstmals ein Verbot für diverse Ustascha-Symbole. Das Verbot war am 1. März in Kraft getreten. Zeitgleich mit dem Treffen gingen zwei Demonstrationen über die Bühne. Die Polizei hatte darauf zu achten, dass es zu keinem direkten Zusammentreffen zwischen Teilnehmern des Treffens und Gegnern kommen würde.

Wie in den vergangenen Jahren nahmen wieder hochrangige kroatische Politiker an der Gedenkveranstaltung teil. Es handelte sich diesmal um den Minister für Öffentliche Verwaltung, Lovro Kuščević, sowie den Minister für Kriegsinvaliden, Tomo Medved.

Dem Bleiburger Gedenken heftet der Ruf an, Treffpunkt von rechten Gruppen, die den Ustascha-faschistischen Vasallenstaat Nazideutschlands verklären, zu sein. Offizieller Gegenstand der Gedenkfeier sollten jedoch die tragischen Ereignisse von Mai/Juni 1945 – Misshandlungen, Folterungen, Massenhinrichtungen ohne Gerichtsverfahren, Zwangsrepatriierungen und Todesmärsche – sein. Der Gurker Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger wollte eine von einem Bischof geleitete Messe verhindern, weil – wie betont wurde – man beobachtet habe, dass die Gedenkfeier zunehmend zu einem Anziehungspunkt für Ustascha-Sympathisanten geworden sei. Die Messe am Bleiburger Feld müsse als „Teil einer Veranstaltung, die politisch instrumentalisiert wird“, gesehen werden; sie sei somit „Bestandteil eines politisch-nationalen Rituals, das einer selektiven Wahrnehmung und Deutung von Geschichte dient“, geworden, begründete Guggenberger seine Entscheidung. (Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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