Kroatien: Bischofskonferenz kritisiert serbischen Patriarchen

Die ökumenischen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche in Kroatien und der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) sehen schwierigen Zeiten entgegen. In einem Anfang Februar veröffentlichten Brief erhebt die Kroatische Bischofskonferenz schwere Vorwürfe gegenüber Patriarch Irinej. Mit seinen Äußerungen trage das Oberhaupt der SOK nicht zur Versöhnung zwischen Serben und Kroaten bei, stattdessen vertiefe er „die Verletzungen aus der Kriegszeit“. Der Sprecher der SOK, Metropolit Irinej (Bulović) von Bačka, wies die Kritik der Kroatischen Bischofskonferenz zurück und kündigte eine Antwort des Hl. Synods zu gegebener Zeit an.

Der Brief der Kroatischen Bischofskonferenz an Patriarch Irinej, der von 19 Bischöfen unterzeichnet ist, wurde am 6. Februar veröffentlicht, das Originalschreiben datiert allerdings vom 18. November 2018. Zur Begründung der jetzigen Veröffentlichung führt die kroatische katholische Nachrichtenagentur IKA das Vorbeugen von Mutmaßungen und falschen Interpertationen an.

Auf den ersten Seiten des Schreibens werden öffentliche Äußerungen von Patriarch Irinej und Metropolit Irinej aus den letzten Jahren wiedergegeben, zu denen die Bischofskonferenz Stellung beziehen möchte. Zitiert werden u. a. der Vorwurf des Patriarchen vom Schweigen der katholischen Kirche in Kroatien zu unliebsamen Ereignissen in der Vergangenheit und sein Vergleich der heutigen Situation für Serben in Montenegro mit derjenigen im faschistischen „Unabhängigen Staat Kroatien“ im Zweiten Weltkrieg. Weiterhin gehen die katholischen Bischöfe auf die Erklärung der serbischen Bischofsversammlung vom 10. Mai 2018 ein, in der einigen Mitgliedern der Kroatischen Bischofskonferenz eine pro-Ustascha-Haltung vorgeworfen wurde. Auf besondere Kritik stößt auch eine ironische Äußerung des Patriarchen in einem Interview mit der kroatischen Tageszeitung Jutarnij list, dass die serbisch-orthodoxen Bischöfe die Autorität des Papstes mehr respektierten als einzelne kroatische Bischöfe: „Wir finden es seltsam, dass das Oberhaupt einer orthodoxen Lokalkirche öffentlich die Bischöfe der katholischen Kirche in Kroatien und den Papst einander entgegensetzt und diese tadelt sowie der gesamten Kirche und dem gesamten kroatischen Volk Verbrechen zuzuschreibt.“

Mit dieser „negativistischen Art des Kommunizierens“ lasse sich kein Problem lösen. Vielmehr provoziere es Widerstände in der kroatischen Bevölkerung gegen die Person des Patriarchen, die SOK und die serbischen Bürger in Kroatien. Außerdem mangele es den Äußerungen von Kirchenvertretern der SOK an Mitgefühl für die kroatischen Opfer der jugoslawischen Zerfallskriege. Einmal mehr wird in dem Brief deutlich, dass die katholische Kirche in Kroatien und die SOK die jüngste Kriegsvergangenheit weiterhin diametral gegensätzlich beurteilen: Während die SOK der katholischen Seite vorwirft, den Krieg in Kroatien nicht verhindert zu haben, verweisen die katholischen Bischöfe demgegenüber auf die kriegstreibende Rolle der SOK und das eigene Friedensengagement in den 1990er Jahren.

Am Ende des Briefes betonen die katholische Bischöfe die „evangelische Pflicht“, sich weiterhin für gegenseitige Gespräche und Treffen einzusetzen und Brücken in der direkten brüderlichen Kommunikation zu bauen. Dazu wiederholt die Bischofskonferenz ihren Vorschlag zu regelmäßigen Treffen der Kommission der Kroatischen Bischofskonferenz für die Beziehungen zur SOK mit der Kommission der SOK für die Beziehungen mit der katholischen Kirche in Kroatien. Die Arbeit der Dialogkommission zu Kardinal Alozije Stepinac habe gezeigt, „wie wichtig das Gespräch in würdevoller Weise als Brüder“ sei, auch wenn es die schwierigsten geschichtlichen Streitfragen betreffe.

Patriarch Irinej hat das Schreiben der Kroatischen Bischofskonferenz bisher nicht kommentiert. In einer Erklärung zeigte sich der Sprecher der SOK, Metropolit Irinej, allerdings verwundert, dass ein offizielles Schreiben ohne Zustimmung des Adressaten veröffentlicht werde. Da die Kroatische Bischofskonferenz sich jedoch zu diesem Schritt entschieden habe, werde auch die Antwort des Hl. Synods öffentlich sein. Er selbst habe sich nie mit einzelnen kroatischen Bischöfen oder der Bischofskonferenz als Ganzer beschäftigt, außer wenn er im Dienst als Sprecher der SOK gezwungen sei, „auf Angriffe keiner kleinen Zahl von Bischöfen aus Kroatien“ zu antworten.

Die Veröffentlichung des Briefs ist umso überraschender, als noch am 17. Januar zum Auftakt der weltweiten Gebetswoche zur Einheit der Christen auf Einladung des kroatischen Bischofs Antun Škorčević von Požega ein Treffen von Vertretern der Bischofskonferenz mit den serbisch-orthodoxen Bischöfen in Kroatien stattfand. Dort war der Ton noch ein ganz anderer, so heißt es in der Erklärung zu dem Treffen, dass sich beide Seiten bewusst seien, dass „wir durch gegenseitige Anschuldigungen, das Manipulieren der geschichtlichen Wahrheit, die Interpretation der Kriegsereignisse zu tagespolitischen Zwecken, Beleidigungen und Demütigungen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation oder einem Glauben Gefangene der Vergangenheit und Verlierer in der Gegenwart bleiben.“ Zugleich bedauerten die Bischöfe alle unschuldigen Opfer der jüngsten Vergangenheit – unabhängig von deren Nationalität, Religionszugehörigkeit und politischer Überzeugung.

Vor diesem Hintergrund sprechen Beobachter der kirchlichen Szene in Kroatien auch von einem gezielten „Attentat auf die Ökumene“. Mit der Veröffentlichung des Schreibens der Bischofskonferenz nach dem Treffen in Požega solle die Annäherung zwischen der katholischen Kirche in Kroatien und der SOK hintertrieben werden.

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