Kroatien: Bischöfe kritisieren Absage von Bleiburger Gedenkmesse

Die Kroatische Bischofskonferenz hat scharfe Kritik an der österreichischen Diözese Gurk-Klagenfurt wegen der verweigerten Zustimmung für die Gedenkmesse am Loibacher Feld bei Bleiburg geübt. In einer Mitteilung warf die Bischofskonferenz der Diözese „mangelnden Respekt gegenüber den Opfern und mangelndes Mitgefühl für das Leiden von Unschuldigen“ vor. In den letzten Jahren und insbesondere 2018 sei die Eucharistiefeier würdevoll verlaufen. Unterstützung erhielt die Bischofskonferenz vom kroatischen Parlamentspräsidenten Gordan Jandroković, der Gespräche mit den Organisatoren der Gedenkfeier ankündigte. Auch die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović bedauerte die Entscheidung der Diözese Gurk-Klagenfurt.

Deren Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger hatte am 8. März mitgeteilt, dem Ansuchen der Kroatischen Bischofskonferenz um Genehmigung für die diesjährige Messfeier am Loibacher Feld nicht stattzugeben. Dieser Entscheidung seien eine ausführliche Analyse der Gedenkfeier 2018 sowie zahlreiche Gespräche auf Ebene der Österreichischen und Kroatischen Bischofskonferenz, mit Gläubigen der kroatisch-sprechenden Gemeinde in Kärnten sowie mit Vertretern der österreichischen Sicherheitsbehörden vorausgegangen. Die Analyse der Gedenkfeier 2018 habe gezeigt, dass die im Vorfeld vom damaligen Kärntner Bischof Alois Schwarz als Bedingung für die Erlaubnis zur Messe festgelegten Auflagen und Vorgaben „zum überwiegenden Teil nicht eingehalten wurden bzw. werden konnten“, begründet Guggenberger die Entscheidung in einem Schreiben an die Kroatische Bischofskonferenz. Die heilige Messe am Bleiburger Feld sei „Teil einer Veranstaltung, die politisch instrumentalisiert und Teil eines politisch-nationalen Rituals ist, das einer selektiven Wahrnehmung und Deutung von Geschichte dient.“

Das Gesamterscheinungsbild der Veranstaltung am Bleiburger Feld schade dem Ansehen der katholischen Kirche und sei vor allem auch dazu angetan, „der katholischen Kirche in Kärnten im Falle einer Erlaubnis der Liturgiefeier zu Recht zu unterstellen, sie würde die Instrumentalisierung eines Gottesdienstes zu politischen Manifestationen dulden und die entsprechende Distanz zu faschistischem Gedankengut vermissen lassen.“

Veranstalter des alljährlichen Opfergedenkens am Loibacher Feld, das unter dem Patronat des kroatischen Parlamentes stattfindet, ist die katholische Kirche in Kroatien gemeinsam mit dem „Bleiburger Ehrenzug“. Die Messe auf privatem Grundstück ist ein Teil der Feier und setzt bei Mitwirkung eines Bischofs die Zustimmung der Diözese Gurk als zuständige Ortskirche voraus.

Nach der Gedenkveranstaltung im Mai 2018 hatte sich auch die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Sommervollversammlung in Mariazell im Juni 2018 mit dem umstrittenen Gedenktreffen befasst. Die Diözese Gurk hatte den Veranstaltern bereits im Vorfeld strenge Auflagen erteilt, wie etwa das Verbot politischer Fahnen und Transparente sowie auch von einschlägigen Abzeichen und Uniformen. Die strengen Auflagen hätten positive Effekte gezeitigt, ein Nachschärfen sei aber auf jeden Fall notwendig, so Kardinal Christoph Schönborn damals gegenüber der katholischen Presseagentur „Kathpress“. Jede Instrumentalisierung dieses religiösen Gedenkens für politische Zwecke bzw. Ideologien müsse vermieden werden. Gröbere Zwischenfälle wurden 2018 nicht registriert, die Polizei meldete jedoch sieben Festnahmen und neun Anzeigen nach dem Verbotsgesetz.

Die Gedenkveranstaltung in Bleiburg steht bereits seit mehreren Jahren in der Kritik. Im April und Mai 1945 flohen zusammen mit der Wehrmacht Angehörige der Slowenischen Heimwehr (Domobranci), Verbände der kroatischen Armee (Hrvatsko domobranstvo), faschistische Ustaša-Einheiten, serbische Tschetniks und Zivilisten unterschiedlicher nationaler Zugehörigkeit vor den heranrückenden Partisanen nach Kärnten. Ein Teil dieser Verbände ergab sich am 15. Mai 1945 in Bleiburg den Briten. In Befolgung der alliierten Vereinbarungen übergaben die Briten die Gefangenen an Jugoslawien, wo sie der Rache des neuen kommunistischen Regimes anheimfielen. Viele der Ausgelieferten wurden standrechtlich erschossen oder starben auf den Fußmärschen in die Lager. Seit den 1950er Jahren erinnerte ein Verein kroatischer Emigranten, der „Bleiburger Ehrenzug“, an die „Tragödie von Bleiburg“. Nach der politischen Wende und der Unabhängigkeit Kroatiens gewann die Feier einen immer größeren Stellenwert, nicht zuletzt durch den Umstand, dass sie unter dem Patronat des kroatischen Parlaments steht, und die Kroatische Bischofskonferenz und Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina seit 2003 zu den Mitveranstaltern gehören. Aus diesem Grund stand in den letzten Jahren immer ein kroatischer Bischof der Messfeier vor.

In den letzten Jahren kamen regelmäßig über Zehntausend Gläubige zur Messe. Für zunehmende Kritik sorgte dabei der Umstand, dass die Feiern auch zum Anziehungspunkt für Menschen wurden, die dabei faschistische Symbole zeigten und aus ihrer faschistischen Gesinnung kein Hehl machten. Um dem Einhalt zu gebieten, verfügte im vergangenen Jahr die Diözese Gurk detaillierte Auflagen, die den geistliche Charakter der Feiern wahren sollten (mit Material von Kathpress)

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