Bosnien-Herzegowina: Österreichische Bischofskonferenz befürwortet EU-Beitritt

Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, hat sich in Sarajevo für einen EU-Beitritt Bosnien-Herzegowinas ausgesprochen. Dieser würde sich nicht nur positiv auf die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes auswirken, sondern auch auf das Miteinander der Religionen in Europa. So könnte der bosnische Islam, der ein „europäisches Gesicht“ habe, für den Islam in Europa ein wichtiger Partner sein.

Unter Schönborns Vorsitz tagte die Österreichische Bischofskonferenz vom 4. bis 8. März erstmals in Bosnien-Herzegowina. Dabei tauschte sie sich am 5. März auch mit der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina „über die Herausforderungen von Kirche und Gesellschaft in beiden Ländern“ aus. Zudem trafen sich die österreichischen Bischöfe mit politischen Vertretern und muslimischen, orthodoxen und jüdischen Amtsträgern. Dazu gehörte auch ein Gespräch mit dem Hohen Repräsentanten, Valentin Inzko, über die Beziehungen zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft in beiden Ländern. Kardinal Vinko Puljić, der Erzbischof von Sarajevo und Gastgeber, wertete in seiner Begrüßungsrede die Anwesenheit der österreichischen Bischöfe als starkes Zeichen der Solidarität. Besonderen Dank drückte Puljić für die österreichische Hilfe während und nach dem Bosnienkrieg aus.

In einer gemeinsamen Erklärung zur „Lage der Katholischen Kirche in Bosnien und Herzegowina“ appellierten die beiden Bischofskonferenzen an in- und ausländische Verantwortungsträger, sich für den „Aufbau eines gerechten Friedens“ einzusetzen. Denn noch immer gebe es „Spannungen und Misstrauen im Land, die das Zusammenleben gefährden“. Für einen echten Frieden sei der „Respekt der Menschwürde und aller Rechte und Freiheiten für alle Angehörige der drei in Bosnien-Herzegowina lebenden Völker“ unabdingbar. „Es darf in diesem Land keine ‚Bürger zweiter Klasse‘ und Mechanismen der systematischen Benachteiligung geben.“ Zudem bekräftigten die Bischöfe ihren Einsatz für die Integration Bosnien-Herzegowinas in Europa, wo sie den Balkanstaat auch historisch und kulturell verorten.

In einer gesonderten Erklärung bekannten sich die österreichischen Bischöfe unter dem Eindruck des Tagungsorts Sarajevo zur Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs. Die bosnische Hauptstadt gelte einerseits als „ein Modell für ein über Jahrhunderte lang gelungenes, tolerantes, wenn auch nicht immer konfliktfreies Zusammenleben zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen“. Andererseits belasteten die Folgen des Bosnienkriegs mit seiner „religiösen Ab- und Ausgrenzung sowie deren politischer Instrumentalisierung“ noch immer das Zusammenleben. Diese „Erfahrung mitten in Europa“ verdeutliche, dass es „zum interreligiösen Dialog keine Alternative gibt“. (mit Material von Kathpress)

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