Ukraine: Ukrainische Autokephalie als Vorbild für andere orthodoxe Kirchen?

Im August haben sich die Teilnehmer einer Konferenz im ukrainischen Tschernigov für die Autokephalie der orthodoxen Kirche in Belarus ausgesprochen. Dies fordert insbesondere die von der Weltorthodoxie nicht anerkannte Belarussische Autokephale Orthodoxe Kirche (BAOK), die in Belarus auch nicht als Religionsgemeinschaft registriert ist, ihre wenigen Gemeinden agieren illegal. In den USA jedoch gibt es mehrere registrierte Gemeinden, die auch über Kirchengebäude verfügen. Die kanonische Weißrussische Orthodoxe Kirche (WOK) untersteht dem Moskauer Patriarchat.

Das Oberhaupt der BAOK, Erzbischof Svjatoslav (Login), argumentierte in seinem Vortrag, das Beispiel der Ukraine sei auch auf Belarus anwendbar. Die Verleihung der Autokephalie an die ukrainische Kirche bedeute, dass auch Belarus das Recht auf vollständige Selbstständigkeit habe. Allerdings fehle die zweite Bedingung für die Autokephalie, nämlich die staatliche Unterstützung, in Belarus bisher, fügte Svjatoslav hinzu. An der Konferenz nahmen Vertreter der BAOK und der Anfang 2019 gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) sowie Vertreter der Intelligenzija und der Zivilgesellschaft teil. Die Vertreter der beiden Kirchen feierten auch einen gemeinsamen Gottesdienst. Kritiker weisen darauf hin, dass lediglich die nationalistische Intelligenzija die weißrussische Autokephalie unterstützte.

Die BAOK ist nicht die einzige Kirche, die das Modell der Ukraine auf sich anwenden möchte. Ähnliche Bestrebungen nach einer autokephalen Kirche gibt es auch in Nordmakedonien und Montenegro, wo sich jeweils eine Kirche von der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) abgespalten hat. Im Mai hat der Bischofsrat der SOK entschieden, den Dialog mit der nicht anerkannten Makedonischen Orthodoxen Kirche (MOK) wieder aufzunehmen, der seit einem gescheiterten Abkommen 2002 unterbrochen ist. Erzbischof Jovan (Vraniškovski) von Ohrid, früher selbst ein Bischof der MOK, der sich 2002 der SOK anschloss, bestätigte in einem Interview, dass derzeit zu keinem Mitglied des Hl. Synods der MOK direkte Kontakte bestünden. Einen Beginn des Dialogs hält er für unmöglich, solange die MOK „auf zwei Stühlen“ sitze und Unterstützung bei anderen Kirchen suche – erst bei der Bulgarischen Orthodoxen Kirche, dann beim Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Das Ökumenische Patriarchat habe zudem nicht die Kompetenz, zwischenkirchliche Konflikte zu lösen, dazu brauche es ein Konzil. Zwar glaubt Jovan nicht, dass das Ökumenische Patriarchat sich auf dem Balkan einmischen werde, aber „nach dem, was in der Ukraine passiert ist, kann man alles erwarten“.

Unterstützung erhält die SOK in Montenegro aus der Ukraine. Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der dem Moskauer Patriarchat unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), drückte dem für Montenegro zuständigen Metropoliten Amfilohije (Radović) sein Mitgefühl wegen der „Diskriminierung“ der SOK in Montenegro aus. Dabei bedauerte Onufrij insbesondere ein umstrittenes neues Religionsgesetz und die Haltung der Behörden gegenüber der SOK. Da die UOK noch immer „von gewissen Vertretern unseres ukrainischen Staates Verfolgungen unterworfen ist“, könne sie mit dem Leiden der montenegrinischen Gläubigen besonders gut mitfühlen.

Eine isolierte Kirche: Die Makedonische Orthodoxe Kirche

hintergrund makedonische orthodoxe kircheBei seinem Besuch in Nordmakedonien hat sich Papst Franziskus nicht mit Vertretern der Orthodoxie getroffen. Das liegt vor allem daran, dass die Makedonische Orthodoxe Kirche in der Weltorthodoxie nicht anerkannt ist, wie Stefan Kube erklärt.

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Neue Bewegung im makedonischen Kirchenstreit?

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Stefan Kube zum Zusammenleben der Religionsgemeinschaften und ihrem Verhältnis zum Staat in Montenegro

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Filaret’s Final Act and the Future of the Orthodox Church of Ukraine

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Tornike Metreveli zu Wahlen und Religion in der Ukraine

interview metreveli ukraine wahlen religionTornike Metreveli spricht über die Rolle der Religion im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf und darüber, was sich mit der Gründung der Orthodoxen Kirche der Ukraine für die Gläubigen und Priester an der Basis verändert hat.

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Kirche in Kiew: Lokales Handeln und globaler Glauben

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Orthodoxie in der Ukraine: Panorama und Entwicklungstendenzen

kommentar Bohdan Ohulchanskyi orthodoxie ukraineAnlässlich des Vereinigungskonzils vom 15. Dezember, an dem das Oberhaupt der neuen autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine gewählt wurde, blickt Bohdan Ohultschanskyj auf die Spaltungen und Bemühungen um Autokephalie in der Ukraine seit den 1990er Jahren zurück.

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After the Council: Challenges Facing the Orthodox Church of Ukraine

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Die Autokephaliefrage der Ukrainischen Orthodoxen Kirche: Plädoyer für einen sozialethischen Ansatz

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Kann die Geschichte den Konflikt um die ukrainische Autokephalie lösen?

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interview liliya berezhnayaDie jüngsten Bemühungen um die Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Liliya Berezhnaya erläutert die Rollen und Absichten der Beteiligten und setzt die Autonomiebestrebungen in einen historischen Kontext.

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