Serbien: Schönborn trifft serbischen Patriarchen Irinej

Kardinal Christoph Schönborn ist im Rahmen seines Belgrad-Besuchs mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej zusammengetroffen. Im Mittelpunkt des Gesprächs im serbischen Patriarchat standen dabei die Beziehungen zwischen der serbisch-orthodoxen und katholischen Kirche. An der Begegnung nahmen zahlreiche Bischöfe der serbisch-orthodoxen Kirche, der Belgrader katholische Erzbischof Stanislav Hočevar, der Apostolische Nuntius in Serbien, Erzbischof Luciano Suriani, und als Vertreter von Staatspräsident Aleksandar Vučić dessen Generalsekretär Nikola Selaković teil.

Patriarch Irinej zeigte sich vor allem dankbar dafür, dass die serbisch-orthodoxne Gläubigen in Österreich so gut aufgenommen würden und nun dort beheimatet seien. Positiv hob er auch hervor, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2014 die Kirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche übergeben hat.

Hinsichtlich des Kirchenstreits zwischen den Patriarchaten von Moskau und Konstantinopel wegen der Ukraine sprach der serbische Patriarch von einer "tragischen Situation", ohne näher ins Detail zu gehen oder für eine Seite offen Partei zu ergreifen. Er hoffe sehr auf eine baldige Lösung des Konflikts. Schönborn bekräftigte die Haltung der katholischen Kirche, in dem innerorthodoxen Konflikt möglichst nicht einseitig Partei zu ergreifen, sondern die bewährte Freundschaft mit allen orthodoxen Kirchen zu pflegen. Er hoffe, dass trotz der aktuell dramatischen Situation in der Orthodoxen Kirche "die Einheitskräfte stärker sein werden als jene der Spaltung".

Als Geschenk überreichte der Patriarch dem Kardinal das Buch "Die Grundlagen des Kosovo und Metochien - das historische, geistige und kulturelle Erbe des serbischen Volkes". Auf mehr als 1100 Seiten dokumentiert der Prachtband alle Kirchen, Klöster und sonstigen kirchlichen Stätten, Denkmäler und Güter des Kosovo, die zentralen Ikonen, Fresken und weiteren Kunstgegenstände von großem Wert und großer Bedeutung. Nahmhafte serbische Historiker, Theologen, Publizisten und Künstler zeichnen für den Inhalt verantwortlich. Auch ein - zeitlos gültiges - Vorwort des 2009 verstorbenen früheren serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle ist enthalten.

Die Publikation steht symbolisch dafür, dass die serbisch-orthodoxe Kirche Kosovo bzw. dessen christliches Erbe und die eigenen Wurzeln um keinen Preis aufgeben will. Auch Patriarch Irinej unterstrich gegenüber Schönborn die Bedeutung des Kosovo für die serbische Orthodoxie. Der Kardinal seinerseits überreichte dem Oberhaupt der serbischen Kirche eine Reliquie des Heiligen Andreas, der in der Orthodoxie besonders verehrt wird.

Vor der Begegnung im serbischen Patriarchat wurde an der Orthodoxen Theologischen Fakultät der Universität Belgrad die serbische Übersetzung des Buches "Die Lebensschule Jesu" von Kardinal Schönborn präsentiert. Grundlage des Buches sind Glaubensgesprächen (Katechesen), die der Kardinal in den Jahren 2011 und 2012 im Wiener Stephansdom gehalten hat. Die Texte gehen - ausgehend von den Evangelien - biblisch vor. "Jesus begegnen wir in den Evangelien authentisch. Ihm können wir vertrauen und bei ihm in die Schule gehen", sagte der Kardinal. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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