Serbien/Montenegro: Parolin besucht erstmals Serbien und Montenegro

Der serbische Patriarch Irinej hat dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin für die offizielle Position des Vatikans in der Kosovo-Frage gedankt. Der Vatikan zieht einen Dialog zwischen Belgrad und Prishtina einer einseitigen Anerkennung der Unabhängigkeit Kosovos, die die ehemalige serbische Provinz 2008 gegen den Willen Belgrads verkündet hatte, vor. Bei ihrem Treffen, das in einer herzlichen Atmosphäre verlaufen sein soll, besprachen Irinej und Parolin zahlreiche Themen, die das Leben der beiden Kirchen betreffen.

Kosovo war auch ein Thema bei den Begegnungen Parolins mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und der serbischen Ministerpräsidenten Ana Brnabić. Gegenüber Vučić drückte Parolin die Hoffnung aus, dass ein Dialog zu einer „echten Kompromisslösung mit Wahrung von Frieden und Stabilität“ führen werde. Vučić bekräftigte dies, verwies aber darauf, dass Serbien seine nationalen Interessen schützen müsse. Zudem zeigte sich der serbische Präsident mit den „guten und stabilen Beziehungen“ zwischen Serbien und dem Hl. Stuhl zufrieden. Parolin dankte Vučić für die Bemühungen der staatlichen Organe und Institutionen zur Unterstützung der katholischen Kirche in Serbien.

Gegenüber der serbischen Ministerpräsidentin betonte Parolin, dass für den Hl. Stuhl der Schutz des kulturellen und religiösen Erbes in Kosovo außerordentlich wichtig sei. Der Vatikan unterstütze zudem die europäische Integration Serbiens, wobei die EU in ihrem Kern ein Projekt des Friedens und Zusammenlebens verschiedener Religionen und Nationalitäten sei, zu dem Serbien und der Westbalkan gehörten. Brnabić und der Kardinalstaatssekretär waren sich einig, dass die gemischte katholisch-orthodoxe Kommission zu Kardinal Alojzije Stepinac einen positiven Effekt auf das Verhältnis zwischen orthodoxer und katholischer Kirche gehabt habe, obwohl sie zu keinem gemeinsamen Ergebnis gekommen sei. Zum Abschluss seines Besuchs weihte Parolin am 1. Juli 2018 in Novi Sad den neuen Sitz der internationalen katholischen Kirill-Method-Bischofskonferenz ein. In dieser sind die katholischen Bischöfe von Serbien, Montenegro, Kosovo und Makedonien zusammengeschlossen.

Zuvor hatte Parolin vom 27. bis 29. Juni 2018 erstmals Montenegro besucht. Nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten Duško Marković kündigte er an, der Vatikan werde eine Nuntiatur in Montenegro eröffnen. Der Vatikan erhoffe sich von diesem Schritt „neue und starke Impulse für die bilateralen Beziehungen“. Bisher residiert der Nuntius für Montenegro in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Kardinal Parolin würdigte zudem das vor sieben Jahren geschlossene Konkordat zwischen Montenegro und dem Hl. Stuhl und lobte er die Regierung dafür, dass sie die Gesetzgebung zur Religionsfreiheit überarbeitet.

Die Mehrheit der Montenegriner ist orthodox, die katholische Kirche umfasst die Erzdiözese Bar und die Diözese Kotor. In Bar ist mehr als die Hälfte der Katholiken albanischsprachig, während die Mehrheit der Katholiken in Kotor zur kroatischen Minderheit gehört. Neben den Treffen mit verschiedenen Regierungsvertretern feierte Parolin die Messe in Bar sowie Kotor und traf mit Vertretern der katholischen und orthodoxen Kirche sowie der Islamischen Gemeinschaft zusammen. Ziel der fünftägigen Reise war eine Stärkung der bilateralen Beziehungen zu Serbien und Montenegro sowie die Unterstützung für die Mission der Ortskirche. (mit Material von Kathpress)

Drucken