Montenegro: Zwischenfall vor orthodoxem Gottesdienst in antiker Kirche

Eine Gruppe von Albanern hat zu verhindern versucht, dass Metropolit Amfilohije (Radović) von Montenegro am 8. Juli 2018 einen Gottesdienst bei den Ruinen einer antiken Kirche abhält. Die rund zwanzig Einwohner des Dorfes Svač (albanisch Shas) versperrten dem Metropoliten der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK), Priestern und Gläubigen den Weg, als sie unterwegs zu der Kirche auf dem Gebiet der antiken Stadt Svač in der Nähe der montenegrinischen Küstenstadt Ulcinj waren.

Die Protestierenden, unter ihnen ein lokaler Politiker, warfen den orthodoxen Gläubigen und Priestern vor, die Kirche des Hl. Johannes des Täufers „besetzen“ zu wollen. Die SOK habe kein Recht, einen Gottesdienst auf einem staatlichen Areal abzuhalten. Die Überreste der mittelalterlichen Kirche gehören laut der Gemeinde Ulcinj dem Staat. Die örtliche Polizei ließ die Geistlichen die Kirche zwar nicht betreten, erlaubte ihnen aber, den Gottesdienst in unmittelbarer Nähe abzuhalten. Als Begründung gaben die Beamten an, der Gottesdienst sei nicht ordnungsgemäß im Voraus als öffentliche Versammlung bei den Behörden angemeldet worden.

Die Metropolie von Montenegro erklärte in einem Statement, der Gottesdienst finde seit 20 Jahren jährlich statt, und auch Amfilohije habe schon mehrmals daran teilgenommen, „noch nie“ habe es dabei Probleme gegeben. Sie kritisierte nicht nur das Verhalten der lokalen Einwohner, sondern auch die öffentliche Aufmerksamkeit für den Vorfall. Sie warf lokalen Politikern vor, mit ihren „unverantwortlichen Aussagen“ Spannungen hervorzurufen. Dazu würden auch Journalisten beitragen, die diese Aussagen „unkritisch“ wiedergäben, heißt es in dem Statement weiter.

Ljoro Nrekić, der Bürgermeister von Ulcinj, erklärte, auf beiden Seiten des Zwischenfalls habe es Störenfriede gegeben, die den Konflikt auf „eine höhere Ebene“ hätten bringen wollen. Doch seiner Meinung nach sei alles bestens gelaufen, die Polizei habe ihre Arbeit gemacht und es sei nicht zu größeren Problemen gekommen. Falls „jemand denkt, dass das ein Problem auf religiöser oder nationaler Grundlage ist“, irre er sich. Der Vorfall werde „keine Folgen“ haben, ist Nrekić überzeugt, und keinen Einfluss auf die „seit jeher“ guten interethnischen und interreligiösen Beziehungen in Ulcinj haben.

Der Vorfall wirft Fragen über Eigentumsrechte an christlichen Stätten im Land auf, wobei die SOK seit Jahren immer wieder behauptet, ihr Eigentum werde vom Staat enteignet. Zudem wirft sie dem Staat vor, sie zu diskriminieren.

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