Griechenland: Kirchlicher Protest gegen Änderungen im Kirche-Staat-Verhältnis

Trotz der ablehnenden Haltung der Kirche wird das griechische Parlament über eine Verfassungsänderung beraten, die Kirche und Staat stärker voneinander trennen soll. Der Vorschlag, Art. 3 der griechischen Verfassung zu überarbeiten, wurde am 14. Februar mit 151 Stimmen des 300 Sitze umfassenden Parlaments knapp angenommen. Die Revision sieht die Entfernung der Referenz auf die Hl. Dreifaltigkeit in der Präambel und der Referenz auf eine „vorherrschende Religion“ in Art. 3 vor.

Ein weiterer Streitpunkt in dem Entwurf ist die Besoldung des Klerus. Bereits Ende letzten Jahres hatte sich die Bischofversammlung der Orthodoxen Kirche von Griechenland gegen die von Ministerpräsident Alexis Tsipras und Erzbischof Hieronymos (Liapis) von Athen verhandelten Reformpläne ausgesprochen. Darin war vorgesehen, dass Geistliche nicht länger als Beamte vom Staat bezahlt würden. Künftig würde der Staat zwar Beiträge an die Kirche zur Entlöhnung der Kleriker leisten, sie aber nicht mehr direkt bezahlen, was zum Verlust des Beamtenstatus führen würde.

Zwar hatte die Regierung angegeben, der Kirche entgegenzukommen, aber laut Bischof Hierotheos (Vlachos) von Nafpaktos sei der Punkt in dem überarbeiteten Entwurf nicht substantiell angepasst worden. Die Hl. Synode, die sich frühestens im März abschließend zu den Reformplänen äußern will, sei entschlossen, den Beamtenstatus der Priester zu erhalten. In diesem Punkt sind sich die Orthodoxe Kirche von Griechenland und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel einig, wie sie am 12. Februar in einem gemeinsamen Statement erklärten. Auch in der Frage umstrittener Immobilien und der Festschreibung eines „religiös neutralen“ Staats befänden sich die beiden Kirchen in „völliger Einigkeit“.

Eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats hatte sich am Tag vor der Abstimmung im Parlament mit dem Minister für Bildung und Religion, Kostas Gavroglou, getroffen. Dabei verteidigte dieser den Plan und betonte, er biete den Geistlichen Sicherheit. Der konservative Oppositionsführer, Kyriakos Mitsotakis, hingegen betonte gleichentags bei einem Treffen seine Unterstützung für die Position des Ökumenischen Patriarchats in der Angelegenheit. Offene Fragen könnten ohne Verfassungsänderungen und in Absprache mit der Orthodoxen Kirche von Griechenland und dem Patriarchat von Konstantinopel gelöst werden. Am selben Tag traf sich die Delegation des Ökumenischen Patriarchats auch mit dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Griechenlands, um ihre Position darzulegen. Dimitris Koutsoumpas erläuterte die Position seiner Partei, die für die vollständige Trennung von Staat und Kirche plädiert. Sie wolle aber die Löhne und Versicherungen der Kleriker sicherstellen.

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