Albanien: Erzbischof Anastasios erhält Klaus Hemmerle-Preis

Für sein Engagement für Frieden und Verständigung ist Erzbischof Anastasios (Yannoulatos) von Albanien mit dem Klaus Hemmerle-Preis ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede bei der Verleihung des Preises am 14. Februar im Dom von Aachen plädierte er für eine „friedvolle Koexistenz in einer multi-religiösen Welt“. Der Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser, lobte Anastasios als einen „Wegbereiter des Glaubens und der Ökumene“.

Mit dem Klaus Hemmerle-Preis werden im Gedenken an den früheren Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle (1929–1994), von der Fokolar-Bewegung Persönlichkeiten geehrt, die als Brückenbauer den Dialog zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen fördern. Die Auszeichnung wird seit 2002 alle zwei Jahre verliehen und ist undotiert. In ihrem Grußwort würdigte die Präsidentin der Fokolar-Bewegung Anastasios’ unermüdliches Engagement im Dialog zwischen Muslimen und Christen und dankte ihm für die Fähigkeit, mit seiner Liebe Gemeinschaft, Geschwisterlichkeit und den Wunsch, zu teilen, geweckt und wachgehalten zu haben.

In seiner Laudatio lobte Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, die von tiefer Wertschätzung geprägten Beziehungen, die Anastasios mit Angehörigen anderer Religionen aufgebaut habe. Mit seinem Beispiel habe er gezeigt, dass „interreligiöser Dialog und missionarisches Engagement keine Gegensätze darstellen“ müssen. Unermüdlich und mit großer Umsicht habe er sich für den Wiederaufbau und die Wiederbelebung der orthodoxen Kirche in Albanien eingesetzt, seit er 1992 als deren Vorsteher eingesetzt worden war. Zudem habe er zum Abbau von Spannungen in der Region beigetragen. Auch innerhalb der Orthodoxie werde der Erzbischof von Tirana als Brückenbauer und Vermittler sehr geschätzt, erklärte Metropolit Augoustinos (Lambardakis), der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, in seinem Grußwort.

Der albanische Präsident Ilir Meta begrüßte die „verdiente Auszeichnung“ und lobte Anastasios’ Beitrag zur interreligiösen Harmonie in Albanien. Zudem hob er hervor, dass das internationale Engagement des Erzbischofs zur „ausgezeichneten internationalen Wahrnehmung Albaniens als Ort der religiösen Freiheit und Harmonie“ beigetragen habe.

Erzbischof Anastasios wurde 1929 in Piräus geboren. Nach seinem Studium in Athen wurde er 1960 zum Priester geweiht. Von 1971 bis 1990 war er Generaldirektor einer wichtigen kirchlichen karitativen Organisation und Professor an der Theologischen Fakultät von Athen. 1983 bis 1986 war er Erzbischof für Ostafrika des Patriarchats von Alexandrien, 1984 bis 1991 war er Präsident der Weltkirchenrats-Kommission für Mission und Evangelisierung, später auch einer der Präsidenten des Weltkirchenrats.

Albanien ist heute mehrheitlich muslimisch, ein Teil der Bevölkerung gehört jedoch zur eigenständigen Orthodoxen Kirche von Albanien, während eine weitere Minderheitengruppe katholisch ist. In sozialistischer Zeit wurde die orthodoxe Kirche in Albanien völlig zerstört. Der kommunistische Parteichef Enver Hoxha hatte Albanien 1967 zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ proklamiert und jede religiöse Aktivität verboten. (NÖK)

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